Fertig Botschaft

by marco· July 25, 2013· in Beijing, Botschaft· 1 comments tags: karaoke, Kempinski
4 Jahre Botschaft vorbei! BÄM! Und wir sitzen in einer leeren Wohnung. Die Wohnung wurde rasant und mit voller Manneskraft leer geräumt. Etwa 10 Chinesen kamen vorbei und haben im Eilzug alles in Kisten verpackt. Dabei haben sie teilweise regelrechte Karton-Kunstwerke errichtet, die schon an sich als Möbel durchgehen würden. Absolut surreal dann der Abschied auf der Botschaft. 4 Jahre? So ein Quatsch, das waren doch niemals 4 Jahre. Und doch, die Jahreszahlen täuschen nicht. Als wäre ich erst gestern als unerfahrener Schnösel auf das Gelände spaziert. Unglaublich. Zur Feier des Abschieds, durfte natürlich das obligate Karaokee nicht fehlen. So landeten wir genau in dem Schuppen, der Quasi gegenüber meine Zuhause ist, ich aber zuvor noch nie einen Schritt hinein wagte. Wir waren eine gemischte Gruppe aus Chinesen und Schweizer, und diesen Unterschied hat man frapant bemerkt. Die Schweizer eher auf Songs bedacht, die irgendwie jeder mitjohlen kann, die Chinesen hingegen ganz ernst und seriös und jeder mit seinem eigenen Liedchen. Auch rhythmisch stets ganz was anderes. Wo wir tanzbares auswählten, fiel die Wahl der Chinesen eher auf ganz dramatische Liebeslieder. Singen jedoch tuen sie allemal besser als wir. Und heute dann war es an mir, meinen Kopf in jede […]
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Das Geschrei von einem Menschenauflauf reisst mich aus dem Schlaf. Ich bin mir gewohnt unsanft aus den Träumen gerissen zu werden, sei es von Baulärm, einem Amok gelaufenen Diebstahlalarm, oder einem Lastwagen, der sich an einem Wendemanöver das Getriebe schleisst. Diesmal aber ist der Lärm ganz anderer Natur. Er kommt von etwas, das nicht ganz typisch für China ist. Der Krach kommt von einer Menschenmasse, die sich auf die japanische Botschaft zubewegt. Eine Demonstration die mehr oder weniger vor meiner Haustür stattfindet. Zur Zeit ist nichts von Friede, Freude, Eierkuchen im Lande China. Der Disput mit Japan, wem denn nun die Diaoyu Inselgruppe zugehört, ist weitgehend ausgeartet. Aber eigentlich ist nur nichts von Friede und Freude. Der Eierkuchen klebt nämlich an der japanischen Botschaft in Peking. Diese ist von rohen Eier zugekleistert. Ich wage mich also hinaus, um dem Ursprung des Kraches auf die Sprünge zu kommen. Die etwa ein Kilometer lange Strasse vor dem Kempinski ist für Verkehr gänzlich gesperrt. Vor der Zufahrt zu meinem Gebäude stehen zirka 10 Polizisten. Über mir kreist ein immer wiederkehrender Helikopter. Das 3G Mobilfunknetz ist am Boden. Es herrschen ähnliche Gegebenheiten wie damals beim arabischen Frühling, wo die chinesische Regierung Angst hatte, ihr […]
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Nord Korea hat sich endlich mal an das heikle Thema heran gewagt und hat eine Rangliste erstellt von den glücklichsten Ländern auf Erden. Dabei haben sie gemäss einer Umfrage herausgefunden: in China lebt es sich am glücklichsten. Darauf kommt auf Rang zwei dann auch sogleich Nord Korea selbst, gefolgt von Kuba, Iran und Venezuela. Rang 152 besetzt Süd Korea. Und auf dem letzten Platz, mit dem unglücklichsten Volk überhaupt, stehen die vereinigten Staaten von Amerika. Gerne hätte ich mit einem Nord Koreaner über diese Rangliste diskutiert. Doch es war mir verboten. Genau gleich war es mir untersagt die Einwohner Pjöngjangs zu fotografieren. Ausser den Verkehrsdamen, das ist ein Nationalstolz der bis über die Grenze getragen werden darf. Ansonsten ist das schiessen von Fotos nicht erlaubt, wird aber je nach Sujet geduldet. So habe ich ganz gute Fotos gemacht vom grössten Stadion der Welt, welches unglaubliche 150’000 Sitzplätze beherbergt. Auch ein anschauliches Bild habe ich vom Nord Koreanischen “Arc de Triumph” gemacht, der wahrhaftig 4 Meter höher ist als das Original. Als ich jedoch ein Foto machen wollte von mir zusammen mit zwei massiven Statuen der verstorbenen Führer Kim und Kim und ich dazu noch die gleich stramme Haltung wie die […]
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Dddddrrriiiinnnnnngggg!!! Rüttelte mich ein Wecker aus dem Schlaf! Es klangt wie jener aus der Küche, der daran erinnert, dass die Eier parat sind. Doch ich war nicht zu Hause, und schon gar nicht in einer Küche. Ich war in einer alten Ilyushin Il-62. Zum 112. Mal mache er nun diese Reise, erklärte mir ein Tour-Guide, aber diese alte Klapperkiste habe er nur wenige male gehabt. Normalerweise verwende die Fluggesellschaft Koryo modernere Flugzeuge auf der Strecke Beijing – Pyongyang. Aus der Schweiz angekommen reichte es für mich gerade mal unter die Dusche zu hüpfen und etwas Gepäck-Balast abzuwerfen und schon war ich wieder unterwegs. Diesmal sollte es nach Nord-Korea gehen. Informatik-Hilfe auf dem Kooperationsbüro, einem sogenannte KoBü, ist gefragt. Und es begann abenteuerlich in dieser Ilyushin. Am Eingang schnappte ich mir eine der Propaganda Zeitungen, “the Pyongyang times”, und schlenderte ins Flugzeug. Dieses war tapeziert wie die Küche meiner Grossmutter. Es roch streng, mich erinnerte der Geruch an einen Zoo. Zudem lief ein russischer Polka, der in mir das Gefühl erweckte, einen Zirkus betreten zu haben. Dieser Zirkus hatte in der Mitte dann tatsächlich eine Küche. Mit Herdplatte, Pfannen, hübschen Schränken und Teekannen. Als ich davon ein Foto nehmen wollte hiess […]
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Freundliche Grüsse aus dem Wolken verhangenen Beijing. Das ein Beispiel einer konventionellen Unterschrift in einem für das EDA typischen Mailverkehr. Aus aller Welt kommen bei diesem Departement die Nachrichten zusammen und beinahe ausnahmslos beinhalten sie immer einen kurzen Wetterbericht. Grund genug auch für mich einen Beitrag zu einem der Lieblingsthemen des Schweizers zu verfassen: dem Wetter. Lustig zu sehen, wie gewisse Angewohnheiten von den Auslandschweizern einfach mitgenommen und auf der anderen Seite der Grenze zu Mutterland Helvetia adaptiert werden. Gerade in Peking bietet das Thema ziemlich was an Zündstoff. Im Moment steht es noch in den Sternen, sowie in den Windböen und Staubpartikel, ob diese Wetterdaten für die nächste Woche zutreffen werden. Zu deren Richtigkeit wage ich allerdings zu behaupten: Knapp daneben und voll vorbei! Das Wetter in Peking ist alles andere als vorhersehbar. Ja gar ein Ding der Unmöglichkeit scheint es zu sein, auch nur einen Tag im voraus das Wetter zu bestimmen. Solche komplett verhauene Vorhersagen erhitzen natürliche des Schweizers Gemüt aufs derbste. Leider gibt es hier kein Thomas Bucheli, der dafür verantwortlich gemacht werden könnte. Dann wendet man die Blamage halt gleich aufs ganze Land an und verflucht die Chinesen. Was andere vehement stört, finde ich eher […]
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Es war wieder so weit. Einmal im Monat gibt es einen Tag auf der Botschaft, auf den ich mich besonders freue. Ein Tag, an dem mein Horizont jeweils um Meilen erweitert wird und ich mich auf einer ganz anderen Ebene politisch weiterbilde. Es ist der Tag, an dem der Botschaft die neuste Ausgabe des offiziellen Magazins aus der demokratischen Volksrepublik Koreas zugestellt wird. Die letzte Ausgabe jedoch, war alles andere als lustig: „The whole land of Korea was plunged into a sea of tears of blood as if the sky collapsed and the sun fell.” Ein Zitat aus dem Magazin von diesem Monat. Eine Nation trauert um ihren grossen Führer. Und sie trauert, dass man das Wort „Trauer“ neu definieren müsste. Die starken, weiblichen Soldaten liegen sich in den Armen und weinen, die Kinder der Schule sind am schreien, als wären ihre Eltern gestorben, die Seniorinnen und Senioren erliegen beinahe ihrer Qual des Verlustes und die Teenager zeichnet ein von Schmerz gezeichnetes Gesicht. Und wer nicht mitmacht, der wird kurzerhand in ein Erziehungslager gesteckt, wo der/dem Unwissenden erklärt wird, wie man gefälligst zu trauern hat. Ja, die dramatischen Bilder, sie gingen um die Welt. Aber längst nicht alle Ausgaben dieses […]
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Neulich gesehen im Supermarkt. Eine komplette Kollektion an Rausch Haarpflegemittel. Nach Getränken wie Rivella, schaffen es jetzt also auch Schweizer Pflegeprodukte in die Regale Chinas. Zu stolzen Preisen. Die Flaschen sind allesamt so um die 20 Euro. Starker Franken hin oder her, das ist Wucher! Kein Wunder denken die Chinesen, wir Schweizer kommen aus einem Land, wo alle im Geld plantschen. Am plantschen wie eh und je übrigens auch Rupert Shrimp. Ja richtig, meine Schildkröte, sie lebt! Hätte ich selbst nicht erwartet, das Shrimp so lange durchhält. Doch es geht ihm besser denn je. Allerdings auch nur Dank meinem letzten Besuch aus der Schweiz. Von den Lönis musste ich mir eine deftige Standpauke anhören, was Tierhaltung anbelangt. Hatte ich doch gerade ein neues, grösseres Gehege für Shrimp zugelegt, wurde dieses prompt als massive zu klein und nicht WWF tauglich deklariert. Nachdem wir diverse Experten zu Rate zogen, was denn nun die Präferenzen dieser Schildkröte ist, stellte sich heraus, dass dieses Haustier scheinbar “das am schwersten zu haltende” Haustier sei überhaupt. Es brauche einen Spielplatz, der mindestens zehnmal so lang ist, wie die doof Kröte selbst. Es muss an der Sonne gelegen sein, mit Sandstrand verziert, Höhle zum verkriechen muss es […]
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Spesen für T8

by marco· August 23, 2011· in Botschaft, Travel· 2 comments tags: Delikatesse, Shanghai
Zirp, zirp. Es zirpte neben mir. Obwohl mir Indonesien immer noch in Gedanken hängt, war mir eigentlich bewusst, dass ich nicht mehr im Dschungel bin. Doch es zirpte weiter. Mitten auf der Strasse. Also doch wahrscheinlich einfach die Geräusche des Grossstadtdschungels Shanghai, dachte ich mir. Da sah ich neben mir, eine Karre voller Tiere. Es war eine Zoohandlung auf Rädern, mit sämtlichen Tieren zum Verkauf. Ich entdeckte Hasen und Mäuse, Bibilis sowie Rupert Shrimps, aber woher das zirpen kam, blieb ein Rätsel. Vorerst. An einer Metalstange angemacht, ortete ich kleine, geflochtene Kuben. Und darin, je eine riesen Zikade, die verzweifelt und eingepfercht vor sich hin zirpte. Als ich proklamierte, dass ich dies noch nie gesehen hätte, wurde mir vorgeworfen, mit geschlossenen Augen durch die Gegend zu stolzieren. Dies gäbe es nun aber wirklich überall in China, ganz sicher auch in Peking. Also gut, “Augen auf” die Devise. Was es aber in Peking definitiv nicht gibt, ist eine derart breitgefächerte Palette an stylischen Lokalitäten wie in Shanghai. In dieser Stadt scheint regelrecht ein Wettbewerb losgebrochen zu sein, wer das genialste Restaurant hinzaubern, oder die ausserordentlichste Bar hinpflanzen kann. Mit Namen wie “Waterhouse”, “Dr. Wine” oder “Cocktail” trumpfen die Bars auf und […]
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Im Bett mit Chinesen

by marco· August 02, 2011· in Beijing, Botschaft· 0 comments tags: Ikea, Pool, Rivella
Darüber, dass ein Besuch bei der Ikea in Beijing, als Touristenattraktion durchgeht, wurde ja bereits berichtet. Das Schauspiel, wie sich die Chinesen in den wie Kulissen aufgebauten Wohnungen gleich zu Hause fühlen und sich auch demnach benehmen, ist äusserst amüsierend. Die scheinen sich nicht zu schinieren, ihre dicken Bäuche auszupacken und so im Liegesessel ein bisschen zu ruben. Oder einfach mal alle Viere von sich zu strecken und sich ein kleiner Nuck auf dem Ausstellungsbett zu gönnen. Dieses Spiel haben wir nun noch ein bisschen weiter gezogen und testeten, wie tief die Chinesen wirklich in ihren Träumen versinken. So pflanzte sich unser Versuchskanninchen ganz kuschelig neben das Opfer. Dieser liess sich davon auch gar und null Komma nichts beirren, und träumten seelenruhig weiter. Ob er nach dem Erwachen seinen Freunden von traumhaften Träumen erzählte, die er unverdienterweise nur auf das Bett zurück führte, Ikea jetzt Dank der lauffeuerartigen Verbreitung von Neuigkeiten in China eine abartigen Gewinn nur wegen diesen Betten schreibt und sie nun ihre spotbilligen Kissen für noch unverschämtere paar Rappen weniger verkaufen können, dass dann auch wirklich gar niemand mehr etwas daran verdient, ausser der Boss und seine Boni-Genossen, sei dahin gestellt. Wir jedenfalls hatten unseren Spass, auch […]
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Manch einer von euch erinnert sich vielleicht noch an unseren Ausflug letztes Jahr, ins Hinterland Chinas, nach Zunhua (siehe Rural China). Diese kleine Reise ging letzte Woche in die zweite Runde. Denn wir Schweizer halten ja, was wir versprechen. NB: merkt man mir eigentlich an, dass ich auch Opfer davon werde und im Ausland weiter und weiter in die patriotisch, rot-weisse Abteilung rutsche? Eben, wir halten was wir versprechen und somit statteten wir Zunhua einen weiteren Besuch ab. Im Gepäck: 23 Computer zur Spende. Empfangen wurden wir, als hätten wir den ganzen Staat gerettet. Alle Lehrer der kleinen Schule standen erneut Spalier und applaudierten bei unserer Ankunft. Im Schulhof liefen wir zu Marschmusik ein und nahmen an einem langen Tisch, aufgestellt wie an einer Pressekonferenz vor der ganze Schule, Platz. Darauf kamen die Schüler. Militärisch liefen sie ein, jeder mit seinem Holzstühlchen unter dem Arm. Wer ein bisschen aus der Reihe tanzte, wurde von der Lehrerschaft unsanft zurück befohlen. Die Übergage-Zeremonie begann. Hände wurden geschüttelt, erneut Musik eingespielt, symbolisch wurde ein Computer, fälschlicherweise von mir in einem Druckerkarton verpackt, übergeben, jeder hielt eine kleine Rede, die von unserer Dolmetscherin übersetzt wurde, unser Diplomat verlass ebenfalls noch ein paar gut und […]
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