Aus mir wird noch ein echter Künstler. Ich fange an so richtig unzuverlässig Blogs zu schreiben. Und, Achtung Gefahr, ich verfasse sie jetzt auch noch unchronologisch. Denn eigentlich bin ich ja noch ein Eintrag zu meiner Zeit als Schreiberling bei Gaumont schuldig, ziehe jetzt jedoch einen Urlaubs-Beitrag vor. Denn der kommt frisch und heiss aus dem Ofen, obwohl er vom hohen Norden kommt. Nämlich Russland. Andere Kultur, neues Abenteuer. Gesagt, getan; für Ostern fanden wir uns in St. Petersburg und Moskau wieder. Klischees über dieses Land gibt es ja unzählige. Bestätigt wurden ein paar, aber wiederum ein paar andere widerlegt. Tischen wir sie hier auf, so wie wir sie erlebt haben. Vodka Bei uns schon beim ersten Abendessen auf dem Tisch. Serviert wird das Gläschen mit Gurken und Preiselbeersaft. Die Gurken um den Geschmack zu hemmen, und der Preiselbeersaft einfach weil Preiselbeersaft auch was sehr russisches ist. Ich will das Gläschen mit dem klaren und alkoholreichen Elixier gleich exen, werde aber freundlich darauf hingewiesen, dass man dies hierzulande schlückchenweise geniesst. Wo uns nach einem Gläschen schon die Birne dreht, bestellen die Russen das im Literkrug. Vielleicht mit Preiselbeersaft, aber sicherlich ohne Gurken. Das Getränkt bleibt uns ein stetiger Begleiter über […]
Read More

Paris Pulverfass

by marco· February 01, 2015· in Allgemein· 0 comments
Eigentlich war ich darauf und daran einen Blog zu verfassen, über das idyllische Bergkaff Chamonix, die Weihnachtszeit, Neujahr, Friede- Freude- Eierkuchen halt. Dann aber hats geknallt. Und aus Friede- Freude Eierkuchen wurde: Terror- Chaos- und Charlie. Es war ein anstrengender Jahresstart, in vielen Belangen. Ich beginne mein neues Praktikum bei Gaumont Animation als Assistent des Story Editors. Der dritte Tag ist sogar für den winterlichen, Pariser Standard sehr trüb. Dichter Nebel umhüllt die Häuser und obwohl es nicht wirklich regnet, bin ich auf dem Fahrrad patsch-nass. Es liegt was in der Luft. Kurze Zeit später kommt es zu der Schiesserei in Paris. Die Neuigkeiten gehen natürlich um wie ein Lauffeuer und plötzlich kleben alle an den News. Zugegeben, wenn man liesst das ein paar Amok laufen und sich ihr Tatort in ca. 10 minütiger Entfernung vom eigenen Büro befindet, läuft es einem schon kalt den Rücken runter. Am Mittag traut sich keiner so recht raus. Man schleicht sich um die Ecke in den nächsten Supermarkt. Ab jedem Hupen schreckt man auf. Die sonst unbeachteten Sirenen der Polizei in der Ferne, versetzen einem jetzt in Alarmbereitschaft. Die Stimmung ist bedrückt. Am Abend gehen wir in die nächste Bar, mit dem Ziel […]
Read More

Der Tigerochse Ypsilon

by marco· November 17, 2012· in Allgemein, Beijing· 0 comments tags: Blog, Deutsch, Lesung
Es gibt tatsächlich noch andere, die aus China bloggen. Unglaublich! So zum Beispiel der Herr Christian Ypsilon Schmidt aus Deutschland. Der Journalist und einstige Redakteur der Satire-Zeitschrift „Titanic“ hat mich dazu motiviert, mich an meine allererste Lesung, der ich je beiwohnte, zu bewegen. Und schlecht hat er seine Sache wirklich nicht gemacht. Vorgestellt hat er sein neues Buch „im Jahr des Tigerochsen“, welches eine Sammlung darstellt aus seinen auf dem Web veröffentlichen Beiträgen. Wo ich mir wirklich nie was interessantes ab der Vorstellung, dass einer sein Buch vorliest, abgewinnen konnte, hatte der Y. Schmid, der übrigens mit dem ausgesprochenen Ypsilon vorgestellt wurde, durchaus einen hohen Unterhaltungswert. Sehr amüsant vor allem war sein Aspekt, weshalb er nicht mehr in der Lage sein wird, jemals zurück nach Deutschland zu kehren. Nämlich weil er, bei einer allfälligen Rückkehr riskieren würde, der totalen Völlerei zu erliegen. Obwohl er dabei sämtliche deutsche Gerichte aufzählte, erkannte ich mich gerade in dieser Rolle wieder und sehe mich bereits zu einem Kugelfisch anschwellen, in Mitten von den Cailler Branchli, Zweifel Chips, Caraque, Spitzbuben, Nuddeln an Rahmsauce und dem typischsten aller Schweizer Gerichte, dem Döner. (http://www.taz.de/Die-Wahrheit/!105071/) Tatsächlich traf der Y. Schmidt, den Ton sehr gut und ich erkannte mich […]
Read More
“2013 ist die Markthalle Geschichte” Der Titel des Artikels lässt mich erstarren und ungläubig weiterlesen. Es scheint Tatsache zu werden, in Bern sollen der allseits beliebten Markthalle die Türe verschlossen werden. Und wer wollen sie drin haben? “Einer für das Ganze”! (http://www.derbund.ch/bern/nachrichten/2013-ist-die-Markthalle-Geschichte-/story/11611652) Das sind beinahe chinesische Zustände. In Peking gehen ganze Quartiere vor die Hunde, nur um einer grossen Einkaufsmeile Platz zu machen. Niedergewalzt wird Kulturgut, damit Gucci eine neue Led-Leinwand dahin platzieren kann. Erst letzthin war es mal wieder so weit und ich konnte mein Haar vom Schopf durchs Nasenloch hochziehen. Dies ist der Moment, wo ich am Morgen aufstehe und es weder Gel noch Dusche gelingt, mein konzeptloses Puff auf dem Kopf wieder zurecht zu rücken. Es war an der Zeit für den Meister der Schere. Meiner einer hat gezügelt und befindet sich in dem sehr anschaulichen Soho im Quartier Sanlitun. Vier weiss, grau geschwungene Türme, die wie horizontale Meerwellen da stehen, umringen einen einsam stehenden, kleineren roten Kegel. Ein Architekt wurde die Ehre zu Teil seine Kindheitsträume im angesagtesten Quartier Pekings auszuleben. Es ist gelungen. Das Gebilde ein Schmaus fürs Auge. Aber auch gerade nur fürs Auge. Beim betreten der Mall überkommt mich ein kalter Schauer. Stinkige […]
Read More
Heute lauten die Werte der Luftqualität die wir in Beijing einatmen „sehr ungesund“. Jedenfalls wenn man den Informationen der amerikanischen Botschaft glaubt. Die Chinesen wiederum behaupten was ganz anderes. Zur Zeit scheint ja das Thema Smog in China, bis in die Schweiz ihre Wogen zu schlagen. Hier also ein Bericht aus der Quelle des Drecks. Einmal tief einatmen und los: So in etwa eine normale Aussicht von der Brücke, die ich jeden Morgen zu passieren habe. Fernsicht liegt in etwa im Durchschnitt. Doch war es in letzter Zeit wahrhaftig eher schlecht als recht. Wie ihr in meinem vorletzten Bericht erfahren konntet, war die Nebelmasse zeitweise so dicht, dass gar Flüge annulliert werden mussten. Aus was genau dieser „Nebel“ besteht, ist sich niemand so sicher. Wahrscheinlich ist es einfach ein Mischmasch aus natürlichen Wasserperlen, zusammen mit einer unnatürlichen Prise Feinstaub. Was ja immer wieder in der Presse aufgegriffen wird, ist der Vergleich zwischen der chinesischen und der amerikanischen Messung der effektiven Belastung. Damit ihr endlich wisst, von was dass da geredet wird, hier die fast stündlich aktualisierten Resultate zu der amerikanischen Messung auf Twitter: http://twitter.com/#!/BeijingAir Eine Seite, wo die offiziellen Angaben der Regierung verifiziert werden können, gibt es, man staunt, tatsächlich […]
Read More
Ich wurde beschenkt. Und obwohl mir beigebracht wurde, dass man ein Geschenk immer dankend annimmt, war ich diesmal kurz davor alle Höflichkeit über Bord zu werfen. Denn man hat mir eine Schildkröte geschenkt! DANKE! Brüllte ich vor Freude und… Übermut! Was zur Schildkröte soll ich mit diesem gepanzerten Tier?! Bereits jede einzelne Pflanze in meinem Besitz ist kläglich eingegangen, wie soll das denn mit einer Schildkröte gehen? Ein wunderschönes Exempel von chinesischer Tierhaltung. Dies ein Thema für sich und Neuland pur für die Chinesen. Schon nur die Art und Weise, wie ich die Schildkröte erhalten haben. In einer kleiner Kaffeeschachtel, musste das arme Tier eine 3 stündige Reise aushalten. Demnach lädiert und voller Blessuren kam sie bei mir an. Was sie denn isst? Wunderte es mich. Ach, bisher habe die Kröte noch nichts zu essen bekommen. Und, wenn ich ihr jetzt was zu essen geben würde, wieviel isst sie denn so im Tag? Ja, gibt ihr einfach so ein bisschen, dann überlebt die sicher ne Woche! Aha… Und wo stell ich die jetzt hin? Kann sie ja nicht gut in der Kaffeeschachtel lassen. Hm, hast du irgendeine Pfanne oder so? Also keine Ahnung von Schildkröten. Diese Haltung übrigens nicht nur […]
Read More
Wenn man im Moment ein japanisches Restaurant in Peking betritt, findet man oft ein halb leeres Lokal vor. Die Angst hier ist riesig vor kontaminiertem Fisch. Diese Umstände, aufkumuliert durch Stimmung und Lust, sorgten dafür, dass ich letztes Wochenende den besten Fisch gegessen haben eh und je. Und, um dem ganzen noch die Geräte zu ziehen, das ganze geschehen in Japan. Genau genommen, Osaka. Die Bude war klassisch japanisch mit dem langen Tresen aus Holz, mit der Vitrine voll von rohem Fisch und dahinter die Meister, welche ihn zubereiten. Bestellt man Salmon wird dieser grosszügig geschnitten, mit dem Reis präpariert, einem über den Tresen und direkt vor das Maul gelegt. Der Fisch so frisch und zart, dass er wie ein Stück Milchschokolade auf der Zunge zergeht. Und am Abend vorher, gab es noch diese Delikatesse hier. Das gute Stück hüpfte quasi direkt vom Meer auf den Teller und musste somit auch noch wie ein Knobelspiel auseinander genommen werden. Dass erst anfangs Jahr wieder zwei Gäste daran glauben mussten, liess uns nicht davor zurückschrecken, doch einmal den Kugelfisch zu probieren. Diese Zeilen beweisen, dass der Koch über eine berechtigte Lizenz verfügte, diesen zu zubereiten. Dies alles ein wenig symbolisch dafür, dass […]
Read More
Beim Verfassen des letzten Blogs war ich wahrhaftig feurig heiss. Ein brodelnder Vulkan bereit viele Wörter zu spucken. Die Presse ist etwas ruhiger geworden, aber die Situation bleibt leider noch angespannt und tragisch. Die Japaner sind ja einzigartig, was Problembewältigung betrifft. So haben sie es doch tatsächlich geschafft, eine komplett zerstörte Strasse, die mitten ins Krisengebiet führt, innerhalb von 6 Tagen wieder zu pflügen und befahrbar zu machen. Rekordverdächtig. Nicht immer aber ist ihre Erklärweise für uns nachvollziehbar. Wie das Video unten schön zeigt, versuchen sie jedoch, gravierende Probleme für jung und alt auf unverkennbar, japanische Art verständlich zu machen: Die Chinesen sind mittlerweile etwas ruhiger geworden. Wahrscheinlich haben jetzt einige Haushalte Salz im Küchenschrank, der für die nächsten 10 Jahre reicht. So ist auch der Frühling in Peking eingetroffen. Bei diesen warmen Sonnenstrahlen, welche das Quecksilber schon nahe die 20 Grad Marke kommen liess, kam mir auf einmal meine vergessene Liebe in den Sinn. Pigeon! Für jene die es nicht wissen, Pigeon ist mein Fahrrad. Ganz ein klassisches Ding. Ein wenig Angst hatte ich auf dem Weg zum Fahrradunterstand, ob denn die Pigeon den harten Winter überstanden hat. Bevor ich dies beurteilen konnte, musste ich sie zuerst vom meterdicken […]
Read More
Den Blog brauche ich jetzt kurz als Ventil, denn ich muss mal ein wenig Dampf ablassen. Die Situation in Japan hält uns weiterhin auf Trab. Mittlerweile ist das auch auf China übergeschwappt. Irgendein Idiot bei der Presse hat in die Welt gesetzt, dass Salz eine gute Wirkung gegen radioaktiv verseuchte Angelegenheiten hätte. Nun sind die Chinesen völlig am durchdrehen und kaufen ganze Geschäfte leer. Dies alles andere als so diszipliniert wie die Japaner. Hier wird geschubst und gedrängt, gebissen und geklemmt. Jeder schaut für sich. Dies die Grundhaltung. In solchen Momenten verfluche ich die Chinesen. Dann plötzlich war überall das Salz ausverkauft. So sind sie dann auf Soya-Sauce umgestiegen, da diese sehr salzhaltig sei. Und mittlerweile machen einige im Internet ein riesen Geschäft, indem sie Salz teilweise zum hundertfachen vom Originalpreis verkaufen. Die Angst ist also gross. Vorallem auch bei den Schweizern. Etliche besorgte Anrufe gehen auf der Botschaft in Peking ein, ob man sich schon mit Jod eindecken soll, wie sieht es mit Flügen aus, ob die Kolonie in China gar Evakuiert würde? Komplett gaga! Die Distanz zwischen Beijing und Fukushima beträgt über 2000 Km. Mehr als damals Tschernobyl zur Schweiz. Einen Vorwurf kann man den Leuten kaum machen. […]
Read More

Erschütternd

by marco· March 13, 2011· in Allgemein· 1 comments tags: Erdbeben, Japan, Osaka, Reisen
Um es vorne weg zu nehmen, nein, wir haben das Erdbeben hier in Beijing nicht gespürt. Was wir jedoch jetzt spüren, ist die gespannte und Besorgnis erweckende Situation in Japan. Am Freitag erhielt ich eine Nachricht aus Japan “we had earthquake…”. Das ist an und für sich nichts spezielles in diesem Land, welches auf sehr belebten Boden lebt. Schon nur daher war die Meldung beunruhigend, denn wäre es ein Routine Erdbeben gewesen, so wie zum Beispiel jenes am Mittwoch davor, hätte es keinen Grund gegeben, mir dies überhaupt mitzuteilen. Die Japaner sagen ja, dass es ca. alle hundert Jahre ein enormes Erdbeben gibt. Das Erdbeben von letzten Freitag war so gesehen überfällig und wurde erwartet. Alles was jeweils bleibt ist, zu hoffen, dass die Sache einigermassen glimpflich verläuft. So makaber es auch klingen mag, war bei diesem Jahrhundertbeben auch Glück im Spiel. Nicht auszudenken wäre das Ausmass der Katastrophe gewesen, wenn das Epizentrum 400 Kilometer weiter westlich, mitten in Tokio, gelegen hätte. Leider kommen jedoch jetzt noch ganz andere verheerende Faktoren dazu. Auch von unserer Botschaft hier in Beijing wurden deshalb die Krisenspezialisten entsandt, um unsere Kollegen vor Ort in Japan zu unterstützen. Zufall oder nicht, meine zwei nächsten geplanten […]
Read More