Wir haben es geschafft! Der Drache ist da! Das neue Jahr ist eingeleutet! Und eingeleutet haben es eine Milliarde Chinesen, mit wahrscheinlich 30 Billiarden Raketen, Zuckerstücken und sonstigem, möglichst lautem Feuerwerk. Diese fast zwei Wochen andauernde Fete ging letzten Montag, mit dem Laternen Festival, zu Ende. Die letzte Chance war es für die Chinesen, dieses Jahr nochmals alles zum Himmel abzufeuer, was erlaubt war. BÄM! Beim Strassenstand gekauft, und nur wenige Meter von diesem entfernt gleich gezündet. Konfuzius war mit ihnen, denn hätte sich eine der Feuerwerkskörper in diesem Strassenstand voller Kisten, voller Feuerwerk und voller Schwarzpulver verirrt, dann würde ich jetzt wohl in einem tiefen Krater wohnen. Manche Chinesen sind auch auf natürliches Feuerwerk gestossen. Wenn auch vielleicht eher unfreiwillig: Daran muss man ja aber auch zuerst mal denken, dass Methangas aus dem Abwasserkanal leicht entflammbar ist. Dieses Jahr gab es zum Frühlingsfest in Beijing 272 Verletzte und ein Toter. Dies entspricht einem Rückgang von 45,7% gegenüber letztes Jahr. Dies die Statistik. Aber jetzt ist fertig für ein Jahr. Aus. Basta. Das Jahr zum Drachen ist eingeleutet und das hat auch der Hinterst und Letzte gehört. Von diesem Jahr erhoffen sich ja viele Chinesen so einiges. Die Geburtenrate wird […]
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„Gehen sie an Bord, verflucht nochmal!“ Solche, und wohl viele weitere Beschimpfungen, musste sich der Kapitän der „Costa Concordia“, Francesco Schettino, anhören müssen. Der Kapitän, der das sinkende Schiff verlassen hatte und als feige Ratte weltberühmt wurde. Weltberühmt? Nicht ganz! In China scheint bei dem Begriff „Costa Concordia“ kein Nebelhorn zu heulen. Anders kann ich mir nämlich folgende Beobachtung nicht erklären. Seit über zwei Jahren betrete ich mein Wohnungsgelände durch den selben Eingang. Jeden Tag passiere ich dabei die selben Büros. Links und rechts an mir zieren verschiedene Reiseveranstalter meinen Weg. Und jeden Tag passiere ich dabei ein Reisebüro, wo eine chinesische Dame im Matrosenanzug Werbung macht für Kreuzfahrten mit „Costa“. Viel dabei gedacht habe ich mir bisher eigentlich nicht. Ausser vielleicht, wer wohl von China aus solche Reisen buche würde und dass die Photomontage mit dem Schiff, geankert vor ein paar antiken Ruinen, etwas missraten sei. Und jetzt, durch den durch die Presse geschleiften Begriff „Costa“, wurde ich zum ersten Mal richtig aufmerksam auf diese Werbung. Noch dachte ich mir, hähä, lustig, dass die immer noch Werbung machen, und würdigte dem Plakat, mit dem Schiff darauf, eines zweiten Blickes. Und siehe da, in diesem Reisebüro gilt die „Costa Concordia“ […]
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Tataratara Tarataratara taratarataaa ta! Das die erklingende Musik, wenn die Metro einfährt in einer Station in Seoul. Diese Töne doch einiges amüsanter, und auf ihre Art und Weise auch beruhigender, als das Hämmern, der unzähligen Feuerwerksraketen, die über das chinesische Neujahr zum Himmel abgefeuert werden. Nach einer kurzen Arbeitswoche, ging es für das Fest zum Frühling auf, zu unseren Nachbaren nach Südkorea. Von Frühling merkte man allerdings nicht viel. Eisige Kälte machte sich über der Stadt Seoul breit. Tief im Minusbereich liegend, mussten wir uns einkleiden, als würden wir gleich ein paar Ski an die Füsse schnallen und den Männlichen hinunter gleiten. Glücklicherweise bietet Seoul vor allem eins, unzählige Kaffees. Keine 50 Meter kann man gehen, ohne eines dieser Lokalitäten zu passieren. Dort trumpfen sie dann auch mit innovativen Ideen. In einem Lokal wärmten wir unsere durchgefrorenen Körper mit einem Tee und kriegten dazu ein Ipad ausgeliehen zur Unterhaltung. Die jeweiligen Schaumkreationen auf den Kaffees waren kleine Kunstwerke und die dazu servierten Gebäcke aus dem Ofen, liessen in uns ein Gefühl von Europa empor schnellen. Ja, wenn Beijing nach Baustelle riecht, dann schmeckt es in Seoul nach einer Bäckerei. Egal an welcher Station des unglaublich breiten Metro-Netzes man aussteigt, sofort […]
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Das Meer birgt viele Geheimnisse. Vieles, dass wir nicht verstehen, nie erfahren werden, oder bereits vergessen ist. Eines dieser Geheimnisse liegt auf Grund im Norden Palawans. Die Überreste einer blutigen Rache. Zuerst führte uns unser Weg jedoch über teils asphaltiert, teils steiniger Strasse nach El Nido. Doch eigentlich ist es egal, was unter den Räder für ein Belag war, die Fahrer machen da eigentlich keinen Unterschied und überwinden Asphalt, wie auch Kieselsteinen im gleichen Tempo und Fahrstil. Geschüttelt angekommen in der Bucht El Nido’s, durften wir Versuchskaninchen spielen im bald neu zu eröffnenden Guesthouse „Jungle and Sea“, welches von der Olivia unterhalten wurde. Richtig, „der“ Olivia. Denn Olivia war mal Oliver, fühlte sich jedoch im eigenen Körper nicht zu Hause und liess sich dann ummontieren zu Olivia. Gastfreundlich war sie und die Aussicht, des am Berghang gelegenen Hauses, unglaublich hinunter auf die Bucht. Ein Piratenschiff hätte so gut in die Bucht gepasst, wie die Kanonenkugel in die Kanone. El Nido, bekannt für seine unverkennbare Landschaft. Unzählige kleine Insel sind in der Umgebung zu finden, welche per Banka, dem typischen, philippinischen Boot mit Bambusstützen, auskundschaftet werden können. Zwischen den steilen Kanten, und scharfen Felsern hindurch, findet man abgelegene Buchten, mit Stränden […]
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Um 5 Uhr in der Früh aufzustehen ist kein Spass und sollte man nicht unbedingt machen. Schon gar nicht freiwillig. für gewisse Schätze macht man es aber, und für manche Schätze lohnt es sich auch durchaus. Für den nach dem Schatz benannten Haifisch, den “Treasure Shark” zum Beispiel, ist es das Weckerstellen wett. Der ist Frühaufsteher und eigentlich nur in den tiefen Gewässern zu finden. Bei Malapascua jedoch, kommt dieser seltene Gast in tauchbare Gewässer, wo er sich von den vielen Putzerfischen waschen lässt. Gross kommt er daher und seine Flosse in der Form eines Segels, lässt in noch pompöser erscheinen. Andere Schätze fielen plötzlich auch noch ins Meer. Die Spezies der “open water diver”, hat gleich drei neue Arten hervor gebracht, welche nun bereit sind sich in den Weltmeeren zu tummeln. Manche davon, die Sarah unter den frisch zertifizierten Tauchern, tun dies auch schon auf ganz natürliche Art und Weise und begeben sich bereits in etwas tiefere Gewässer auf 25m, obwohl sie ganz theoretisch gesehen nur für deren 18 Meter brevetiert wären. Für verloren gegangene Fische wie den Nemo zu finden, nimmt man diese Dehnung des Zulässigen allerdings locker in Kauf. Die Zeit auf der Insel wurde mit der […]
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Raclette unter Palmen

by marco· December 25, 2011· in Travel· 1 comments tags: Philippinen, Sarah Edmonds
Nichts gegen Tradition, aber dieses Jahr werden diese von uns gänzlich in den Sand gesetzt. Wortwörtlich. Denn dieses Jahr wird unter Palmen und am Strand Weihnachten gefeiert. Die genauen Koordinaten wüsste ich nicht, aber wir sind irgendwo auf den Philippinen. Nördlich von Cebu. Malapascua der Name der Insel. Zusammen bin ich, Adam, hier, mit der Person wo man über solche Tage zusammen im Paradis sein will, mit meiner Eva „Sarah“. Um nicht ganz alle Traditionen über Bord und in das Zulu Meer zu kippen, hatten wir allerdings ein mächtiges Stück Käse im Gepäck, welches heute unter Palmen, über die Kartoffeln aus China gekleckert wurde. Raclette zu Weihnachten gefällig? Mit ein paar Rechaud-Kerzen und einem ausgewaschenen Aschenbecher als Teller, geht und passt das überall. Da geben wir doch einfach weiter, was uns hier von allen Kinder zugerufen wird: Melly Chlismaaaas!
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Metamorphose

by marco· December 18, 2011· in Travel· 0 comments tags: Juan Ly, Sael Um
Ich habe mir nur mal kurz die Haare gefaerbt. Ich bin um ein paar Zentimeter in die Hoehe geschossen, lache ein bisschen mehr – und vor allem lauter. Ich bin ploetzlich wichtig, habe naemlich die Funktion eines Eidgenoessischen botschaftlichen Systemadministrators inne. Ich bin Marco Tschuy. Und er ist zur Zeit ich. Vielleicht ist er momentan gerade als ich unterwegs, in der digitalen Welt der Blogs, spinnt Geschichten weiter, die sein neu erworbenes Ich zusammen mit seinem Freund zwischen der Schweiz und China auf dem Zweiraeder erlebt hat. Einige Male wurden die Radler auf diesem Blog von dem, der ich momentan bin, als „Helden“betitelt. So ehren- und schmeichelhaft diese Betitelung auch ist, an dieser Stelle muss dennoch auf Einstein zurueckgegriffen, die ganze Sache etwas relativiert werden. Natuerlich: Sieben Monate lang auf dem Rad sitzen kann nicht jeder. Weder der opulenten Oma noch dem mageren Metrosexuellen sei ein solches Projekt nahe gelegt. Doch wer Sport nicht fuer Mord haelt, Freude an Freiheit und Fremdem hat, Unvorhergesehenes liebt und den Lebensstandard gerne mal auf ein Minimum reduziert, dem wird fuer eine eine laengere Radreise nichts im Wege stehen. Unterwegs traf man auf Rentner, Kettenraucher, Familien mit Kleinkindern und Liegefahrraedern. Und wenn auch mit […]
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Sie sind da!

by marco· December 07, 2011· in Beijing· 1 comments tags: Fahrrad, Juan Ly, Sael Um, Sarah Edmonds, Schnee
Es sei sehr dringend, hiess es. Ich müsse sofort ins Büro der Rezeptionistin der Botschaft! Wie sich das für einen System Administrator gehört, kam ich natürlich meiner Pflicht sogleich nach und eilte zu Hilfe. Gerade als ich in das Büro meiner Kollegin am Empfang einbiegen wollte, sehe ich dort vorne dran meine Freunde Sael Um und Juan Ly. Ah cool, denke ich so, sage denen dann später kurz Hallo! Moment… SAEL UM UND JUAN LY!!! Da habe ich es geschnallt. Mir wurde ein übler Streich gespielt, da gab es keinen Notfall, aber eine umso grössere Überraschung. Die Jungs, die sich auf ihre Sattel gesetzt haben und sich von Bern aus Richtung Peking gemacht haben, sind angekommen! BÄM! Man fieberte mit, freute sich über jede erhaltene Meldung, in Gedanken immer mit ihnen dabei, doch wirkten sie noch so unendlich fern und dann plötzlich stehen sie da, als wären sie nur von der Länggasstrasse an die Bernastrasse geradelt. Die Freude war natürlich unermesslich und dies wurde am selben Abend ganz schweizerisch, und Dank der tatkräftigen Mithilfe von S. L. aus U. (tausend Dank), mit einem Fondue besiegelt. Und Ihr Timing konnte nicht besser sein, nur ein Tag nach ihrer Ankunft kam der […]
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Man findet viel in Beijing, was man als Schweizer im Ausland vermissen würde. Da hat es zum Beispiel eine Käserei, die einem den Gruyere unter die Nase reibt, die Lindor Kugeli sind in den Regalen einiger Supermärkte aufgereit und eben, die Rivella Fläschchen haben auch ihren Weg auf chinesischen Grund gefunden. Eines aber gibt es nicht, und das vermisse ich, unter den materiellen Werten, fast am meisten. Grosses Kino! Oder nein falsch, das wäre dann wohl eher kleines Kino. Grosse Filme flimmern hier nämlich durchaus über die Leinwand. Aber leider auch gerade nur die teuersten und kommerziellsten davon. Gerade mal 20 ausländische Filme sind pro Jahr in China zulässig, und ausgewählt werden nur jene die komplett familientauglich sind. Denn eine Altersfreigage gibt es nicht, der Film muss also wahrhaftig einer Altersgruppe von Null bis knapp 75 (durchschnittliche Lebenserwartung in China) entsprechen. Dass Besucher aus der ganzen Alterspalette anwesend sein dürfen, bekommt man auch durchaus zu sehen, und oft auch zu hören. Junge Mütter genieren sich hier überhaupt nicht ihre Säuglinge mit ins Kino zu nehmen, welches einem nebenan in die Ohren brüllt und ein bisschen seines Sabbers auf die Hosen tropfen lässt. Zwischendurch wird bei den Filmen auch etwas nachgeholfen, […]
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Es war zu sehen in den frühen Morgenstunden. Ich war auf dem Weg zur Arbeit, mit Augen schwer und schlafgetrunken. Da entdeckte ich diese Chinesin vor mir. Ein Chinese ist bei Mao nicht das Spektakuläre an dieser Geschichte, die in einer Stadt spielt, die gerade daran ist die 20 Millionen-Einwohner Marke zu knacken. Das auffallende an dieser Chinesin war: sie ging rückwärts. Und sie tat dies, als wäre es das gleiche was ich gerade mit vorwärts gehen tat, nämlich das Normalste überhaupt. Wo ich zuerst dachte, es handle sich um eine skurrile Einzelerscheinung, wurde ich schnell einmal eines besseren belehrt. Seither sehe ich diese seltsame, menschliche Spezies, die einen Schritt hinter den anderen setzt, beinahe jeden Morgen. Einerseits hat es etwas beruhigendes, denn ich kann somit ausschliessen, dass diese Beobachtung auf eine morgendliche Fehlfunktionen meiner Hirnstränge beruht hat. Andererseits fand ich mich motiviert, diesem Verhalten auf die Sprünge zu gehen. „Es macht glücklich“, wurde mir von chinesischer Seite erklärt, „ja richtig, die machen das zum Spass“. Eine andere, etwas sinnvollere Erläuterung lautet, dass dieser Gebrauch praktiziert wird, um die körperliche Koordination zu verbessern. Sport also? Ja genau, Training von Geist und Körper. Meine Lieblingstheorie jedoch wurde mir von einem chinesischen […]
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