Alle schwitzen sie vor sich hin. Jeder ist in seiner eigenen Welt sich am abackern. Ich betrete das Gym, und obwohl ich mich unter Leute begebe, fühle ich mich irgendwie ganz alleine. Ein Fitnessstudio habe ich in der Schweiz kaum je besucht. Hier in Beijing kommt es allerdings zwischendurch mal vor, dass ich da lande. Allem voran auf der sogenannten “Heuschrecke”. Dies das Teil, dass irgendwie in seiner Form aussieht wie ein übergrosses Insekt. Allem voran verkrieche ich mich von Zeit zu Zeit in diesem Schwitzkasten, da es in Beijing schlicht nicht so anmachend ist sich draussen an der “frischen Luft” zu tummeln. Ich passe mich dann jeweils der roboterartigen Mehrheit an, stopfe mir Stöpsel in die Ohren und schalte den Fernseher vor mir ein. So werde ich jeweils über alle möglichen Casting-Shows auf den Unterhaltungs- und Hundeflüsterer auf den Dokumentarkanälen aufdatiert. Jedoch geht es auch anders. Da es scheinbar nicht jedem gegeben ist sich auf asoziale Art und Weise fit zu halten, hat die chinesische Regierung quer durch die Stadt etliche öffentliche Fitnesstudios platziert. Nebst den üblichen uns bekannten Geräten, hat es auch ganz lustige Eigenkreationen dabei. Da gibt es ein montiertes Steuerrad, welches die Besucher einfach stundenlang in […]
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Schon mal im Diesel Zügli durch einen Bambuswald gebraust? Schon mal in Wein gebadet? Schon mal schwarzer Reis gegessen? Alles möglich in China. Aber nur dort, wo man es nicht erwartet. Zum Osterwochenende wurde mir die Ehre zu Teil, meine Freundin auf ihrem Firmenausflug zu begleiten. Soviel ich wusste arbeitet sie für eine Schweizer Firma. Ausser dem Chef und ihr selbst, sind jedoch alle Mitarbeiter Chinesen. Da erstaunt es wenig, dass es ein sehr chinesischer Ausflug wurde. Als erstes gab es mal wieder Bambus. Zuerst auf dem Teller, und dann noch am Berg. Da wo der Bambus am schönsten spriesst, kann man den Berg erklimmen. Jedenfalls die, die die Kraft dazu haben. Für alle anderen gibt es ein Diesel betriebenes Tschu-Tschu Bähndli, das einem zu den Gondeln tuckert, welche einem dann auf die Bergspitze gondeln. Die Szenerie wäre unglaublich. Dichter Bambus überall. Grün. Wuchernd soweit das Auge reicht. Aber leider Wie so oft wird diese Pracht ausgemerzt und mit tausenden Besuchern überschüttet. Da ist nichts von wegen Ruhe und Idylle. Wo wir uns noch ganz schweizerisch für eine Wanderung ausrüsten wollten, mit Wasser, Brot, Banane und Schoggi, merkten wir schnell, dass dies überflüssig war. In maximalen Abständen von hundert Metern […]
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Irgendeinmal ist einfach genug mit Beton, Hektik, Lärm und Millionen von Menschen, die diese Eigenschaften mit einem teilen. Wir schlugen zum Rückzug. Und es wurde der nackte Wahnsinn. Nur ein paar Stunden von der Metropole Shanghai entfernt, findet man diese gewünschte Ruhe im Resort „the naked retreat“. Aus der Sicht von Wolkenkratzern, eingeklemmt zwischen Bambuswäldern und grünen Hügeln voller Tee, wurde in dem Gebiet von „Moganshan“ eine kleine Oase errichtet. Mit Wurzeln aus Südafrika wurde in dieser Nische der Unberührtheit ein Dorf eingepflanzt, dass vom Auftritt her noch seinesgleichen sucht in China. Die Grete zum Tal wir von Villas mit privatem Jacuzzi geziert und für etwas normal sterblichere wie wir gab es Bungalows in Mitten des Waldes. Diese Oval geformten Hütten mit Strohdach waren derart gemütlich eingerichtet, mit Balkon hinein in die Bäume und einem Bett wo eine ganze chinesische Familie drin Platz gefunden hätte, das man sich nur mit Mühe überhaupt aus dem Gemach hievte. Passenderweise trugen diese Hütten Namen von Tieren. Da gab es die Elephanten eins bis sechs, die Giraffen eins bis vier und unseres, auf dem Hügel und Mitten im Wald, Bungalow “Monkey 2”. Das Resort aber wirbt vor allem mit seinen Aktivitäten. Mit den etlichen […]
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Der Ball in Peking hatten wir ja schon, so war es an der Zeit jenen Schweizer Ball in Shanghai auszuprobieren. Die Fliege wurde abgestaubt und das Hemd, nein nicht gebügelt, sondern gleich neu massgeschneidert angefertigt. Das Motto lautete ‘The Port of Shanghai, gate to the world’. Zweifelsohne ist das auch so, Shanghai ist ein Hafen zur Welt. Am Ball kam dieses Gefühl nicht ganz auf. Ein paar wenige Utensilien aus Grossmutters Keller und eine zu laut wingestellte Band, reichen leider noch nicht aus, um internationales Flair aus dem Ärmel zu schütteln. Aber die gute Gesellschaft reichte aus um den Abend glanzvoll zu gestalten. Und die Begleitung verlieh dem Abend das märchenhafte Etwas, was man von so einem Ball erwartet.
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In der Schweiz sind es die Vögel in den Bäumen, in Frankreich die Stühle vor den Bistros und in Shanghai die heraus gehängte Wäsche in den Strassen die die Ankunft des Frühlings einläuten. Ja tatsächlich, auch China hat den Sprung in den Saisonwechsel noch geschafft. “Schau her, sowas gibt es wohl nicht im Ausland” meinte der Shanghainese hinter mir auf Chinesisch zu seinem Kollegen, als ich dieses Foto schoss. Tatsächlich habe ich selten bis nie so viele von Kleider überhangene Strassen gesehen. Das ist schön. So schön und warm, dass wir das Wochenende damit verbrachten, immer auf der von der Sonne beschienen Seite zu laufen und das quer durch Shanghais French Consession, bis kein Strahl mehr unser Haupt erreichte. So wie das Mitbringsel vom Gast zur angenommenen Einladung, gehört auch die Blume zum Frühling. Und wenn man das alles mischt, hat man mich mit einem Strauss Blumen in der wohl angesagtesten Strasse Shanghais: “Xin Tian Di” (zu Deutsch:”neuer Himmel”). Das mag ganz und gar unspektakulär klingen, wenn ich jedoch gewusst hätte was es bedeutet in China mit einem Frühlingsbouquet, zwischen ein paar Restaurants auf jemanden warten zu müssen, hätte ich es wahrscheinlich unterlassen. Da schein es nicht viele zu haben, […]
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Pekinesische Diven

by marco· March 19, 2012· in Beijing· 0 comments tags: konzert, Schnee
Mit etwas kann Beijing mächtig auftrumpfen: Diven. Wir warten hier ja schon einige Wochen sehnlichst auf den Frühling. Schliesslich ist das Frühlings-Neujahrs-Fest vorbei und diese Diva von einem Frühling könnte jetzt endlich den Vorhang lichten. Und tatsächlich, letzte Woche gab es erste An- und vor allem Sonnenscheine danach. Die Temperaturen kletterten nach oben in den Zweistelligen Bereich. Die Ohrenwärmer durften in der Tasche bleiben und das Mittagessen bereits draussen zu einem genommen werden. Die Heizung dürfe getrost, wie von der Regierung geplant, am 15. März ausgeschaltet werden. Wir hatten ihn, den Frühling. So dachten wir jedenfalls. Es folgte eine Information der Stadtregierung, dass wegen eines bevorstehenden Kälteeinbruchs die “Heiztage” noch um 3 erweitert wurden. Diese 3 Bonustage kosteten die Stadt übrigens 33 Millionen Yuan, also rund 5 Millionen Schweizer Franken. Man rechne sich dies einmal auf einen ganzen Winter aus. Jedenfalls, unsere Hoffnung auf Wärme wurde vorerst etwas abgekühlt. Und wir sollten auch nicht enttäuscht werden. Am Samstag kam leider noch nicht der Frühling, aber eine andere Diva zu Besuch. Der deutsche Superstar DJ, Paul Kalkbrenner. Als Diva wird er hier einmal so bezeichnet, weil er sein Publikum, aha, da die Parallele, saumässig lange auf sich hat warten lassen. Seine […]
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Was erschreckend danach klingt, als wäre gerade jemand durchgeknallte Spielchen am treiben, hat auf englisch ausgedrückt einen ganz anderen Hintergrund: Death Cab for Cutie Die Band aus Seattle, Washington gastierte letzten Samstag in Beijing. Nicht oft, aber immer öfter kommt es vor, dass Artisten mit internationalem Charakter der Kapitalen von China einen Besuch abstatten. Trotzdem, was in der Schweiz als absolut selbstverständlich gilt, ist in China immer noch etwas spezielles. Viel spezieller schon nur deswegen, dass Künstler hier ihr Können auf viel kleineren Plattformen präsentieren dürfen, als sie dies in den Ländern tun, wo sie bereits über Ruhm und Ehre verfügen. Death Cab for Cutie füllen in den Staaten locker ihre Stadien, aber für uns spielten sie in einer Lokalität von der Grösse eines „Bierhübelis“. Demnach Stimmungsgeladen ging das Konzert auch über die Bühne. Schnell hatten sie das ausverkaufte Haus auf ihrer Seite und führten uns durch eine 2 stündige musikalische Odyssee (wer sie nicht kennt, unbedingt mal ins neuste Album “codes and keys” reinhören). Konzerte von grossem Charakter hat Beijing, wie hier auch schon berichtet, natürlich auch zu bieten. Dort scheint es jedoch, als wäre diese Sparte eher den ausgelutschten Künstlern überlassen, die auf der verzweifelten Suche nach einem […]
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“2013 ist die Markthalle Geschichte” Der Titel des Artikels lässt mich erstarren und ungläubig weiterlesen. Es scheint Tatsache zu werden, in Bern sollen der allseits beliebten Markthalle die Türe verschlossen werden. Und wer wollen sie drin haben? “Einer für das Ganze”! (http://www.derbund.ch/bern/nachrichten/2013-ist-die-Markthalle-Geschichte-/story/11611652) Das sind beinahe chinesische Zustände. In Peking gehen ganze Quartiere vor die Hunde, nur um einer grossen Einkaufsmeile Platz zu machen. Niedergewalzt wird Kulturgut, damit Gucci eine neue Led-Leinwand dahin platzieren kann. Erst letzthin war es mal wieder so weit und ich konnte mein Haar vom Schopf durchs Nasenloch hochziehen. Dies ist der Moment, wo ich am Morgen aufstehe und es weder Gel noch Dusche gelingt, mein konzeptloses Puff auf dem Kopf wieder zurecht zu rücken. Es war an der Zeit für den Meister der Schere. Meiner einer hat gezügelt und befindet sich in dem sehr anschaulichen Soho im Quartier Sanlitun. Vier weiss, grau geschwungene Türme, die wie horizontale Meerwellen da stehen, umringen einen einsam stehenden, kleineren roten Kegel. Ein Architekt wurde die Ehre zu Teil seine Kindheitsträume im angesagtesten Quartier Pekings auszuleben. Es ist gelungen. Das Gebilde ein Schmaus fürs Auge. Aber auch gerade nur fürs Auge. Beim betreten der Mall überkommt mich ein kalter Schauer. Stinkige […]
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Freundliche Grüsse aus dem Wolken verhangenen Beijing. Das ein Beispiel einer konventionellen Unterschrift in einem für das EDA typischen Mailverkehr. Aus aller Welt kommen bei diesem Departement die Nachrichten zusammen und beinahe ausnahmslos beinhalten sie immer einen kurzen Wetterbericht. Grund genug auch für mich einen Beitrag zu einem der Lieblingsthemen des Schweizers zu verfassen: dem Wetter. Lustig zu sehen, wie gewisse Angewohnheiten von den Auslandschweizern einfach mitgenommen und auf der anderen Seite der Grenze zu Mutterland Helvetia adaptiert werden. Gerade in Peking bietet das Thema ziemlich was an Zündstoff. Im Moment steht es noch in den Sternen, sowie in den Windböen und Staubpartikel, ob diese Wetterdaten für die nächste Woche zutreffen werden. Zu deren Richtigkeit wage ich allerdings zu behaupten: Knapp daneben und voll vorbei! Das Wetter in Peking ist alles andere als vorhersehbar. Ja gar ein Ding der Unmöglichkeit scheint es zu sein, auch nur einen Tag im voraus das Wetter zu bestimmen. Solche komplett verhauene Vorhersagen erhitzen natürliche des Schweizers Gemüt aufs derbste. Leider gibt es hier kein Thomas Bucheli, der dafür verantwortlich gemacht werden könnte. Dann wendet man die Blamage halt gleich aufs ganze Land an und verflucht die Chinesen. Was andere vehement stört, finde ich eher […]
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Es war wieder so weit. Einmal im Monat gibt es einen Tag auf der Botschaft, auf den ich mich besonders freue. Ein Tag, an dem mein Horizont jeweils um Meilen erweitert wird und ich mich auf einer ganz anderen Ebene politisch weiterbilde. Es ist der Tag, an dem der Botschaft die neuste Ausgabe des offiziellen Magazins aus der demokratischen Volksrepublik Koreas zugestellt wird. Die letzte Ausgabe jedoch, war alles andere als lustig: „The whole land of Korea was plunged into a sea of tears of blood as if the sky collapsed and the sun fell.” Ein Zitat aus dem Magazin von diesem Monat. Eine Nation trauert um ihren grossen Führer. Und sie trauert, dass man das Wort „Trauer“ neu definieren müsste. Die starken, weiblichen Soldaten liegen sich in den Armen und weinen, die Kinder der Schule sind am schreien, als wären ihre Eltern gestorben, die Seniorinnen und Senioren erliegen beinahe ihrer Qual des Verlustes und die Teenager zeichnet ein von Schmerz gezeichnetes Gesicht. Und wer nicht mitmacht, der wird kurzerhand in ein Erziehungslager gesteckt, wo der/dem Unwissenden erklärt wird, wie man gefälligst zu trauern hat. Ja, die dramatischen Bilder, sie gingen um die Welt. Aber längst nicht alle Ausgaben dieses […]
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