Heute lauten die Werte der Luftqualität die wir in Beijing einatmen „sehr ungesund“. Jedenfalls wenn man den Informationen der amerikanischen Botschaft glaubt. Die Chinesen wiederum behaupten was ganz anderes. Zur Zeit scheint ja das Thema Smog in China, bis in die Schweiz ihre Wogen zu schlagen. Hier also ein Bericht aus der Quelle des Drecks. Einmal tief einatmen und los: So in etwa eine normale Aussicht von der Brücke, die ich jeden Morgen zu passieren habe. Fernsicht liegt in etwa im Durchschnitt. Doch war es in letzter Zeit wahrhaftig eher schlecht als recht. Wie ihr in meinem vorletzten Bericht erfahren konntet, war die Nebelmasse zeitweise so dicht, dass gar Flüge annulliert werden mussten. Aus was genau dieser „Nebel“ besteht, ist sich niemand so sicher. Wahrscheinlich ist es einfach ein Mischmasch aus natürlichen Wasserperlen, zusammen mit einer unnatürlichen Prise Feinstaub. Was ja immer wieder in der Presse aufgegriffen wird, ist der Vergleich zwischen der chinesischen und der amerikanischen Messung der effektiven Belastung. Damit ihr endlich wisst, von was dass da geredet wird, hier die fast stündlich aktualisierten Resultate zu der amerikanischen Messung auf Twitter: http://twitter.com/#!/BeijingAir Eine Seite, wo die offiziellen Angaben der Regierung verifiziert werden können, gibt es, man staunt, tatsächlich […]
Read More
Als er vor mir stand, hatte ich das Gefühl, es sei ein Minenarbeiter. Von Kopf bis Fuss von Kohlenstaub bedeckt. Die Taschen Russ übersät. Die Fahrräder unter dem Schmutz kaum zu erkennen. Es regne halt und da würde der Dreck der Kohlekraftwerke auf den Strassen zu groben Schlack geknetet, der sich überall dran haftet. Dies sagte Juan Ly etwa im gleich unspektakulären Ton, wie ich sagen würde „schmeckt gut dieser Kräutertee“. Ja richtig, ich hab sie also getroffen, die zwei Helden Juan Ly und Sael Um, die gleich noch mit dem Frutiger Fred daher kamen. Seit Monaten suchen sie sich auf der Seidenstrasse ihren Weg von Bern nach Peking. Wer diese Geschichte verpasst hat, kann sie hier nachlesen und weiterverfolgen: http://2wheelsblog.wordpress.com/ Unsere Wege haben sich in der Stadt Xi’an programmiert gekreuzt. Diese Stadt, vor allem bekannt durch die Terrakotta Armee, erstaunte mich aber als aller erstes durch ihre Entwicklung… ja Shoppingmöglichkeiten. An einer Strasse, der Hauptachse von Süd nach Nord, war Gucci neben Louis Vuitton, der vis à vis vom Hotel Ritz stand. Einmal mehr habe ich selbst wieder vergessen, dass ich in China bin und es hier keine sogenannten „kleine Städtchen“ gibt. Auch die Arschbacken eines jeden Fahrradfahrers, gerade […]
Read More
Man nehme zwei Fahrräder. Zwei, damit man nicht so alleine ist. Rostig müssen sie sein, sonst werden sie gleich geklaut. Eine Klingel ist empfohlen, um die Fussgänger von der Strasse weg zu klingeln. Bremsen müssen nicht in top Zustand sein, denn gebremst wird hauptsächlich mit den Füssen. Eine Karte ist nicht von Nöten, man fährt nach Gefühl. Am besten durch die French Concession. Die wird ihrem Namen sehr gerecht und man fühlt sich überall anders, als in China. Da gibt es schnuckelige Cafés, schrille Restaurants, Geschäfte mit der hipsten Mode und falls der Reifen mal platt ist, gibt es daneben gleich ein Fahrrad-Mech. Anhalten darf man überall, allerdings nicht zu abrupt, sonst könnte einem das Motorrad hinten auffahren. Sollte man verregnet werden, darf man getrost auf die Ersatzkleider zurückgreifen, die überall herumhängen. Ampeln müssen nicht beachtet werden. Genau so wenig wie die Fahrradsverbotsschilder, die es bei den äusserst engen Strassen hat. Man sei aber auf der Hut vor der Polizei, denn die sind auch auf der Pirsch nach Fahrrädern. Fährt man an der “Tai kan lu” vorbei, sind sie „nicht ganz gebacken“, würde hier der Bäcker sagen, denn da würden sie auch besser anhalten. Schon nur für das blaue Pferd. […]
Read More
Was für ein Theater bis man da mal eine Braut gefunden hat. Suchen, gefunden, zusammen, glücklich, dann doch nicht die richtige, Trennung, unglücklich und wieder suchen. In einer Gesellschaft die rennt und rennt, hat man doch eigentlich gar keine Zeit zu suchen. Da gibt es viel Wichtigeres wie zum Beispiel Karriere und Geld. Eine Zwickmühle, denn Familie ist wichtig, gerade die Kinder sollen den Wohlstand der älteren Generation sichern. Was machen also die in die Jahre gekommenen Eltern von alleinstehenden Kindern in Shanghai? Sie schnappen sich das schönste Foto ihrer Liebsten und gehen damit auf den Hochzeitsmarkt. „Mein Sohn ist mega gut mit Computer und arbeitet für eine amerikanische Firma. Er verdient 6000 RMB (ca. 600 Euro) pro Monat, kommt aus einer guten Familie und hat nichts Schlechtes gemacht“, wird zum Beispiel ein Chinese mit Jahrgang 1982 von seiner Mutter mit Inserat zum „Verkauf“ gestellt. Wenn allerdings Eltern für ihre Töchter einen Mann suchen, läuft es gerade umgekehrt. Es werden Ansprüche gestellt. Auf einen am Boden stehenden Regenschirm angeklebt, die Bedingungen, manchmal mit Foto, manchmal aber auch nicht. Und da klingt es dann schon eher wie bei einer Stellenausschreibung: „Junger Mann gesucht. Hochschulabschluss verlangt. Lukratives Einkommen ein Muss. Keine begangene […]
Read More

Das Leben in HD

by marco· October 16, 2011· in Beijing· 2 comments tags: Bejart, Brille, egg
“Herr Tschuy, wir brauchen eine Brille!” hat es bei Fielmann geheissen. Mehr aus Neugier habe ich mich in der Schweiz einem Sehtest gewidmet. Mit Verlusten muss man rechnen, so habe ich auch bei meiner Sehstärke gedacht. Doch dass es gleich heissen würde “Herr Tschuy, wir brauchen eine Brille!”, damit habe ich nicht gerechnet. Beleidigt über diese unerfreuliche Neuigkeit, liess ich mir aber diese Gläser aus Protest nicht im Fielmann selbst anfertigen. Ich packte lediglich die gemessenen Daten ein und liess meine neue Sehhilfe in Beijing produzieren. Der Moment kam, wo ich mir diese Brille zum ersten mal aufsetzte. Das Gefühl war wie jenes auf einem schwankenden Boot zu Beginn. Ich spazierte durch die Einkaufsmeile “The village” und versuchte ganz normal den einen Schritt vor den anderen zu setzen. Im Center dann, der aussieht wie ein kleiner Bundesplatz, verharrte ich und beobachtete. Und da war er, der hochauflösende Moment. Ich fühlte mich wie in einem Dokumentarfilm auf der IMAX Leinwand in HD Qualität. Die kantige Schärfe der Umgebung war unfassbar. Ich hatte mich also an die Brille gewöhnt und spazierte, mit den Augen eines kleines Kindes für das alles ganz neu ist, nach Hause. Jedes Blättchen von den verstaubten Büschen stach […]
Read More
Seit kurzem weiss ich, wie es sich im Zoo anfühlen muss. Und zwar als Tier. Die Nationalfeiertage Chinas gehen heute zu Ende. Dies die Zeit, wo fast das ganze Land Ferien hat. Das hat zur Folge, dass das ganze Land unterwegs ist. Ein paar hundert Millionen Chinesen auf Reisen, und mittendrin: wir! Ein Abstecher nach Pingyao war unsere Route. Und da wir bereits grosse Beiträge für den CO2 Ausstoss in der Tropopause geleistet haben dieses Jahr, entschieden wir uns für die Schienen. Am Bahnhof war es wie nach Konzertschluss an einem Open-Air Festival. Unzählige Leute drängten sich vor dem Bahnsteig. Allesamt ausgestattet mit einem Proviant-Sack, der für manche eine Woche gereicht hätte. Der absolute Renner darunter, statt Koffer zu packen, einfach alles in einen leeren Farbeimer zu stecken. Wieso auch Geld ausgeben für teuere Gepäckstücke. Unser Weg führte über Taiyuan. Eine Stadt wie jede andere in China, ausgestattet mit mehr Baukränen als Mülleimer. Bereits da glänzten wir in der Menschenmasse auf, wie Diamanten in der Tropfsteinhöhle und zogen auch demnach die Blicke auf uns. Ankunft Pingyao. Eine der wenige Altstädte Chinas und träger eines Unesco Welterbe Titels. Dank deren Bekannheitsgrad, waren wir bei weiten auch nicht die einzigen Gäste. Eine […]
Read More
Tattoos sind in China in. Da passe ich mit meinem Haifisch voll ins Schema. Wo ich jedoch noch auf eine saubere Nadel setzte und darauf achtete, dass die Umgebung, wo ich meinen für immer währenden Schmuck eingravieren lassen würde, Krankenhaus steril war, scheint dies die Chinesen kaum zu kümmern. Das wird mir seit geraumer Zeit, jeweils auf meinem Nachhauseweg, deutlich vorgeführt. Da hat es einen äusserst populären Tattoo-Artisten. Um wohl der grossen Nachfrage gerecht zu werden, müssen manche Kunden auf der Strasse dran glauben. Diese scheinen jedoch, wie man auf dem Foto schön sieht, damit vollends zufrieden. Die kümmert es kaum, dass da ein paar Millionen Feinstaub-Partikel gleich mit eintätowiert werden. Geschweige denn von den unzähligen Haaren, der umherstreunenden Katzen. Oder den Fettatomen von der Würstchenbude nebenan. Oder den Brotkrümel der typisch, asiatisch übersüssten Brote des Bäckers auf der anderen Seite. Oder das bisschen DNA von der Nadel, die vorher beim Kollegen über die Haut surrte, kann ja auch nicht schaden. Dem Kunden gefällts und der Artist kann sich vollends ausleben. Ebenfalls ausleben tut sich zur Zeit der Artist Rupert Shrimp. Der übt gerade für den Zirkus. Lange musste ich wer weisen, ob ich dieses Video nun wirklich publik machen […]
Read More
Man hat eine Reise gemacht. In die Heimat. Mit Hainan. Direkt. Einmal kurz eingenickt und BÄM, da war sie, die Schweiz. Und gezeigt hat sie sich von ihrer Schönsten und Süssesten Seite. Schön, etwa so. Und süss, etwa so. Wie paradiesisch die Schweiz ist, wissen wir ja alle. Darum verliere ich hier keine grossen Worte darüber. Ein paar Notizen habe ich mir allerdings schon gemacht, und die sollen hier unverblümt und unkorrigiert aufgeführt werden: – Der Himmel ist schon blauer – Die muhende Kuh, zusammen mit den Jodlern im Transfer-Zug am Flughafen, lässt mir jedes Mal ein bisschen Wasser in den Augen hervor quellen. Und zwar bei Abreise, wie auch bei Ankunft – Alle Autos glänzen, wie brandneu gekauft aus der Garage – Cailler ist die beste Schokolade der Welt. Da können mir die Belgier noch lange – Die Welt dreht sich hier gemütlich und entspannt. Schon nur die Sprache ist langsam – Überall tummeln sich Familien – Man kann nicht durch Bern laufen, ohne jemanden zu treffen, den man kennt (Dorf) – Null Anonymität – Schweizer sind generell freundlich (vielleicht hängt es auch vom Wetter ab) – Alles ist wirklich bunt und wirklich farbig (vielleicht hängt auch das vom […]
Read More
Regen in Beijing. In diesem Sommer, ein auffallend häufiger Gast. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Luft wird zwar wieder auf Vordermann gebracht und der Staub von Pflanzen und Beton gespült, aber leider verschwindet mit dem Regen nicht nur der Dreck, sondern auch die Taxis. Es braucht nicht viel Wasser vom Himmel, dass die Taxifahrer ihre Kutschen irgendwo hinstellen und warten, bis der Spuk vorbei ist. Scheinbar machen sie dies aus Angst vor Unfällen und allfälligen Schäden an ihren Gefährten. Im Moment die Situation generell ziemlich düster, da ein Grossteil der Taxifahrer dazu noch im Streik ist. Zu tief die Bezahlung, protestieren die Taxifahrer, und zu hoch die Abgabe an ihre Arbeitgeber. Gestern dann, nachdem die Nacht seinem Ende entgegen winkte und wir uns auf den Weg machen wollten ins Land der Träume, setzte eben dieser Regen ein. Und die Taxis setzten aus. Wer eins bekam, konnte jubeln wie der Gewinner in einer Lotterie. Und bezahlen konnte er gleich eine Gebühr, die höher ist als mancher Lottogewinn. Auch hier gilt die Regel von Angebot und Nachfrage. Speziell gemein jene Taxis, die eigentlich frei sind, einem hoffen lassen endlich einen Ritt nach Hause zu bekommen, man winkt, stellt sich zur […]
Read More
Neulich gesehen im Supermarkt. Eine komplette Kollektion an Rausch Haarpflegemittel. Nach Getränken wie Rivella, schaffen es jetzt also auch Schweizer Pflegeprodukte in die Regale Chinas. Zu stolzen Preisen. Die Flaschen sind allesamt so um die 20 Euro. Starker Franken hin oder her, das ist Wucher! Kein Wunder denken die Chinesen, wir Schweizer kommen aus einem Land, wo alle im Geld plantschen. Am plantschen wie eh und je übrigens auch Rupert Shrimp. Ja richtig, meine Schildkröte, sie lebt! Hätte ich selbst nicht erwartet, das Shrimp so lange durchhält. Doch es geht ihm besser denn je. Allerdings auch nur Dank meinem letzten Besuch aus der Schweiz. Von den Lönis musste ich mir eine deftige Standpauke anhören, was Tierhaltung anbelangt. Hatte ich doch gerade ein neues, grösseres Gehege für Shrimp zugelegt, wurde dieses prompt als massive zu klein und nicht WWF tauglich deklariert. Nachdem wir diverse Experten zu Rate zogen, was denn nun die Präferenzen dieser Schildkröte ist, stellte sich heraus, dass dieses Haustier scheinbar “das am schwersten zu haltende” Haustier sei überhaupt. Es brauche einen Spielplatz, der mindestens zehnmal so lang ist, wie die doof Kröte selbst. Es muss an der Sonne gelegen sein, mit Sandstrand verziert, Höhle zum verkriechen muss es […]
Read More