Blitz und Donnerschlag über Angkor

marco · August 17, 2013 · Travel · 1 comments

Wir sind in der vordersten Reihe, der bereits etwas in die Jahre gekommener Boeing, die uns nach Bangkok bringen soll.
Vorderste Reihe, Mitte. Da, wo normalerweise die Babies sind.
Keine Fenster, kein Unterhaltungsprogramm. Bis auf einen grossen Gemeinschaftsbildschirm. Dort flimmert die aktuellste Propaganda. Klischee Tibeter mit Rastas, die sich auf den Weg nach Beijing machen, um auf dem Tian anmen den Mao zu huldigen.
‘We love our country, we love our people’, die Message. Ziemlich dicke Post für die Touristen auf dem Weg in ihren Badeurlaub.

Der Landeanflug. Uns wird über den Bildschirm eine Front-Kamera aufgeschaltet. Unser einziges Fenster nach draussen.
Sehen tut man ausser Sprenkel, die wie Sterne aussehen, aber keine sind, jedoch nicht viel.
Und plötzlich zuckt ein bildschirmfüllender Blitz auf. Endlich sieht man mal was. Zum Glück offenbart das Donnersschwert die Landebahn, auf der wir noch vor dem Gewitter sicher aufsetzen.

Am Busbahnhof gibt es zum Frühstück Scharfe Cupnoodles, bevor wir in aller Herrgottsfrüh unseren Bus besteigen.
Wir pennen bis zur Grenze durch.

Über die Grenze nach Kambodscha geht es zu Fuss. Mit uns ein paar Auswanderer, die ihr Thai-Visa erneuern wollen.
Im Niemandsland zwischen Thailand und Kambodscha herrscht bereits in der Früh reges treiben. Die zahlreichen Casinos haben hier, wo sie dürfen, ihre Tore 24 Stunden geöffnet. Ähnlich wie die Grenzansiedler bei uns in der Schweiz zu Deutschland, scheinen auch die Thais, schlicht über die Grenze zu spazieren, um billiger einkaufen zu gehen.

Obwohl als Land verarmt, ist Kambodscha in mancher Hinsicht auch ganz fortschrittlich. Per Internet kann man ein sogenanntes E-Visa beantragen und gedruckt, damit tatsächlich auch über die Grenze spazieren.
In Poipet setzen wir zum ersten mal Fuss auf kambodschanische Erde.
Poipet jedoch nicht unbedingt ein Städtchen, dass man als anschaulich bezeichnen kann, daher sind wir da so schnell wieder weg, wie wir gekommen sind.

Ganz anders die Stadt Siem Reap. Ein Ort der einlädt länger zu bleiben.
Im Zentrum findet man viele Märkte, sowie ein Nachtmarkt, um den sich die Travellers am Abend schmeissen, wie Mücken ans Licht. Kommen tun viele von ihnen in scheinbar sehr modischen ‘Elephantenhosen’. Das, die breiten Reisehosen, die etwas wirken wie Windeln für Erwachsene. Darauf gestickt ist ein auffallendes Elephantenmuster. zu haben sind sie in allen Farben, und sogar die chinesische Grossmama trägt sie.
Geziert ist die Gegend von charmanten kleinen Restaurants, die die lokale Küche bis zur Finesse beherrschen. Khmer Kitchen wird dabei von uns zum Favoriten erkoren. Das aufgetischte Khmer Curry eine Wucht und locker in den Ligen der Thaicurrys.
In einem der Hintergässchen der Stadt beziehen wir einen versteckten Diamanten. Per Zufall im Internet entdeckt und BÄM, bei diesem Boutique Hotel ‘Petit Villa’ zugeschlagen. Es hat gerade einmal 12 Zimmer, die kaum zu sehen sind, so dicht sind die Dschungelpflanzen, die das ganze Hotel verhüllen. Eine Oase in der Stadt.

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Wir schwingen unsere Hintern zur Abwechslung mal wieder auf Pferde. Nein, Esel. Nein, natürlich Drahtesel. Und wir pilgern zu diesem famosen Weltkulturerbe Ankor.
Der Ankor Wat ist auch sogleich der erste, der sich uns anerbietet. Leider wie so vielen anderen Reisenden auch. Satte 3 Millionen andere Touristen besuchen die enorme Tempelanlage jährlich. Die Chinesen, Japaner und Koreaner sind dabei die Spitzenreiter. Die fahren mit einer Car-Armada vors Haus. Mich würde noch Wunder nehmen, wieviele Fotos da in einer Sekunde geschossen werden? Da verleidet es einem fast, selbst noch welche zu machen.
Nichtsdestotrotz ist der Tempel ein unglaubliches Artefakt. Schon nur die zahlreichen Verzierungen an den Wänden sind Kunstwerke für sich.

Alsbald wir uns dann etwas vom groben Touristenstrom entfernt haben, treffen wir bei den Elephanten Terrassen auf Tempel, die wir quasi für uns alleine haben. Und so fängt auch der Funken Magie an, rüber zu springen.
Beim unglaublich schönen Bayon Tempel, setzt plötzlich Regen ein. Der trägt jedoch nur noch zusätzlich dazu bei, die mystische Stimmung zu perfektionieren.
Der so typisch harte Regen für diese Jahreszeit, schüttet kurz und lässt uns nach einer kurzen Weile weiterziehen zum ‘Angelina Jolie’ Tempel.
Der ‘Pra Thom’ derjenige Tempel, der für einen der Tomb Raider Filme als Kulisse hinhalten musste. Dieser kennzeichnet sich vor allem durch seine majestätischen Bäume aus, die ihre Wurzel wie Fadennähte kreuz und quer durch die Mauer ziehen.
Leider konnte aber auch diese spektakuläre Kulisse den Film nicht aufwerten.

Foto

Und plötzlich, ein grelles Licht und ein Bruchteil einer Sekunde später ein krachendes Donnergrollen, das für ein paar Sekunden nach hallt.
Der Regen kommt zurück und wir setzen zur scheinbar endlos langen Fahrt auf unseren Drahtesel zurück in die Stadt an. Wir erreichen sie dreckig und patschnass. Das womöglich der Preis, den wir bezahlen müssen, für unser Wetterglück in der Mongolei. Nehmen wir gerne in Kauf. Regen auf Palmenblätter zu hören, ist um einiges angenehmer als auf dem Zelt.

Noch mit den Pferden in den Knochen gönnen wir uns am Abend in der Stadt ein Eiscreme bei ‘Blue Pumpkin’. Dort, wo es niemand erwarten würde, eingeklemmt zwischen Fischmassagen (dieser Pot Wasser, wo man seine Füsschen reinhalten kann und es kommen ein paar Fische daran knabbern), und handicraft Boutiquen, befindet sich diese kleine Erfolgsstory. Das Blue Pumpkin nämlich eine Kette, das vom ex-confiseur von Sofitel vor ein paar Jahren als ‘hole in the wall’ eröffnet wurde und jetzt sage und schreibe 17 Filianen im Land unterhält. Wo vorher nur er und seine Frau ein paar Eiscreme verkauften, sind es jetzt 130 Angestellte. Ein Vorbild und Hoffnungsträger des Landes.

Am nächsten Tag werden wir vom Tuk Tuk Fahrer ‘T’ abgeholt. Wir sind dann doch zu faul das ganze Theater nochmals mit dem Fahrrad zu machen.
T fährt uns zu den noch weiter entfernten Tempel, die von einem zum anderen stets pompöser und eindrücklicher zu werden scheinen. Allem voran der Preah Kahn Tempel, der schön aufzeigt, wie die Natur langsam wieder daran ist, ihr Gebiet zurück zu gewinnen. Sowie der Ta Som Tempel, wo es uns gelingt ein Panorama zu schiessen, ohne einen anderen Touristen darin zu haben.

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Jedoch ziehen erneut dunkle Regenwolken auf uns just als wir uns zum Mittagessen hinsetzen, fängt es an literweise herunter zu kübeln.
Der Regen hinterlässt seine ganz anschaulichen Spuren. Bei den weiteren Tempel die wir betreten, müssen wir oft durch knöcheltiefes Wasser waten und das lässt uns noch mehr wie Archäologen fühlen, denen soeben die Entdeckung des Jahres gelungen ist.

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Zur Standardtour gehört dann noch der Sonnenuntergang auf dem Hausberg mit dem Haustempel Phnom Bakheng oben drauf. Die schlendernden Chinesen überholen wir auf unserem Weg nach oben rasant. Die Sonne jedoch bleibt hinter der gewittrigen Wolkendecke verborgen. Halb so schlimm. Hier, wo all die Cars wieder halt machen, und diejenigen, die zu faul sind hoch zu laufen noch auf dem Rücken eines Elefanten rauf transportiert werden können, ist die Stimmung sowieso im Rüssel stecken geblieben.
Beeindruckt, aber ‘ausgetempelt’ gehen wir den Berg wieder runter, währenddem noch hundert andere Ostasiaten hinauf pilgern.
Vorbei an zig neuen und stolzen Besitzern von Elefantenhosen.

Wie der Blitz vergeht die Zeit und fast zu schnell finden wir uns am brandneuen Flughafen von Siem Reap wieder. Ohne weiteres hätten wir ein paar Tage mehr in Siem Reap verbraten können. Jetzt aber geht die Reise weiter und zurück nach Thailand.

1 Comments:
  1. Ja neeeeei!!! Tami la France!! Iz bisch einfach wäg… Ha di mau ufem Gsichtsbuäch aphöblet…keep in touch!! Gruess us Sydney

    BeTTSCHMAN · August 20, 2013

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