Blasse Galerien, bunte Strassen

marco · November 30, 2013 · EICAR, Paris · 0 comments

Das Pompidou Centre.
Endlich tauchen wir darin rein. Die Kunst von Paris hat uns erreicht. Nebst der Liebe, ist Kunst wohl das zweite Wort, dass der ewigen Stadt ganz schwer anhängt.
Im vornherein freue ich mich auf die kontemporäre Atmosphäre. Mit den schier unglaublichen, japanischen Galerien im Hinterkopf, sind meine Erwartungen gross.
Und dann stehen wir vor diesem Teil:

Kunst_weiss

Hm…
Drei weisse, leere Bilder. Wahnsinn.
Nun denn, vielleicht trifft diese Räumlichkeit nicht unseren Geschmack. Kann ja sein. Geschmackssache halt.
Versuchen wir es also mit etwas Text:

Kunst_text

Mhm… interessant.
Sicherlich sehr tiefgründig. Ganz eindeutig hat sich Herr Gomringer viel dabei überlegt. Zweifelsohne sind wir, die Zuschauer, die Idioten, die einfach nicht verstehen wollen, was der Künstler meint.
Das wird uns zu bunt, das ganze. Und das an sich schon eine Kunst, denn wir mögen es bunt:

Kunst_bunt

Doch, mit dem schwindenden Licht der Wintersonne, scheint mir langsam ein inneres Licht aufzugehen.
Die Kunst von Paris findet man auf deren Strassen.
Viele der schönsten Kreationen findet man sogar vor der eigenen Haustür. Die gesamte Pariser Bevölkerung scheint ein Händchen für Kunst zu haben. Vor etlichen Haustüren türmen sich täglich neue Werke. Ein Direktimport aus all den verschiedenen Haushalten.
Vorgestern stand da ein ausgemisteter Drucker auf der Strasse. Die Woche davor, war es eine Bett-Matratze voller Pinkelflecken drauf. Und vor einem Monat hat jemand seinen Beitrag mit einer ausrangierten Spülmaschine gemacht.
Neinein, dass ist nicht etwa Müll, dass die Pariser einfach auf die Strasse stellen, in der Hoffnung, dass es dann schon einer aufräumt. Nein, das ist eben Kunst.

Eines der schönsten Glanzwerke, von dem man immer wieder hört, sich aber tatsächlich stets bestätigt, ist auch gleich eines meiner Liebsten.
Das Baguette.
Ohne zu übertreiben, bei jedem fünften Pariser auf der Strasse, klemmt irgendwo dieses knusprige Stück Brot. Sei es unter dem Arm, oder vorne im Körbchen auf dem Fahrrad neben dem Hund, oder die Spitze guckt aus dem Rucksäcken bei jemanden, der gerade mit seiner Vespa vorbei düst.
Klischee also auch eine Kunstform.

Und zwischendurch trifft auf man auf wahre Perlen.
Die richtige Kunst, die man immer und überall und noch kostenlos antrifft, spielt sich auf den Werbeplakaten ab. Sich selber darin übertroffen hat sich zuletzt “National Geographic”. Um den Realismus ihrer Unterwasser-Dokumentationen zu simulieren, haben sie an manchen Ecken der Stadt in die Werbetafel, ein echtes Aquarium eingebaut.
Mit echten Fischen, echten Korallen und echtem Salzwasser. Wie wir das wissen? Wir waren dabei, als der Werbemann das Wasserteil öffnete und den Salzwasserstand, sowie die Temperatur gemessen hatte:

Kunst_wasser

Noch mit der strahlenden Opera im Hintergrund, ein kleines Meisterwerk.

Und zu guter Letzt folgt noch mein Beitrag zu dieser ewigen Diskussion.
Wir kommen langsam aber sicher in die Projektphase an der Uni. Eines der ersten davon war ein 2 minütiger Dok-Film, über einen öffentlichen Platz der Stadt. Spezielles Gewicht musste auf die Ton-Atmosphäre gelegt werden.
In der Inspirationsphase bin ich dabei über den Platz gleich vor der Moulin Rouge gestolpert. Speziell daran ist, dass sich dort ein erhöhter, grosser Schacht befindet, aus dem stetig Luft der Metro bläst. Die Leute erfreuen sich dabei daran, sich die Mützen heben und die Haare zerzausen zu lassen.
Voilà, mein kleiner Beitrag:

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