Beijinger GP zum Vollmond

marco · September 10, 2011 · Beijing · 0 comments

Regen in Beijing.
In diesem Sommer, ein auffallend häufiger Gast. Mit all seinen Vor- und Nachteilen. Die Luft wird zwar wieder auf Vordermann gebracht und der Staub von Pflanzen und Beton gespült, aber leider verschwindet mit dem Regen nicht nur der Dreck, sondern auch die Taxis.
Es braucht nicht viel Wasser vom Himmel, dass die Taxifahrer ihre Kutschen irgendwo hinstellen und warten, bis der Spuk vorbei ist. Scheinbar machen sie dies aus Angst vor Unfällen und allfälligen Schäden an ihren Gefährten. Im Moment die Situation generell ziemlich düster, da ein Grossteil der Taxifahrer dazu noch im Streik ist. Zu tief die Bezahlung, protestieren die Taxifahrer, und zu hoch die Abgabe an ihre Arbeitgeber.

Gestern dann, nachdem die Nacht seinem Ende entgegen winkte und wir uns auf den Weg machen wollten ins Land der Träume, setzte eben dieser Regen ein. Und die Taxis setzten aus. Wer eins bekam, konnte jubeln wie der Gewinner in einer Lotterie. Und bezahlen konnte er gleich eine Gebühr, die höher ist als mancher Lottogewinn. Auch hier gilt die Regel von Angebot und Nachfrage.
Speziell gemein jene Taxis, die eigentlich frei sind, einem hoffen lassen endlich einen Ritt nach Hause zu bekommen, man winkt, stellt sich zur Schau, jubelt schon und dann fahren sie an dir vorbei und lassen dich im Regen stehen.

Ein Taxi hielt zwar für mich an, wollte aber für meine Strecke das fünffache vom Preis. Für dieses ganze Theater war ich schlicht zu müde und ich fing an zu laufen.
Allerdings kam mit dem Regen, auch die Kälte. Unwahrscheinlich kalt ist es in der Kapitalen im Moment. Um nicht zu frieren, fing ich also an zu joggen.
So joggte ich in meinem Nachrausch durch Peking.
Wo meine Lunge anfangs noch ein wenig streikte und sich etwas gegen die Lungenwand zu drücken schien, liess ich mich davon nicht beirren und suchte meinen Rhythmus. Dabei dachte ich an meine Heimatstadt Bern, und dessen Marathon (wo ich noch nie daran teilgenommen habe). Ich liess mich inspirieren vom “bärner GP” und den tapferen Teilnehmern. Dann kam mir auch Forrest Gump in den Sinn, wie er von einer Küste quer durch Amerika an die andere Küste sprintet. Meine Beine wurden stets leichter und der Wille härter. Dies, zusammen mich dem Nachbrand, inspirierte mich derart, dass ich mich plötzlich in der Lage füllte, an meiner Wohnung vorbei zu hetzen und einfach weiter zu ziehen. Mal schauen bis wohin ich kam. Vielleicht an den Pekinger Stadtrand, bis an die Mauer, innere Mongolei, quer durch die Stan-Länder, wo ich noch meinen Freunden auf dem Fahrrad hallo sagen könnte, Türkei, rauf durch Italien, BÄM über die Grenze und zurück in die Heimat, wo bereits ein Teller Spätzli auf mich warten würde.
Vor dem Kempinski dann, wo ich nicht mehr definieren konnte, was nun Regen von aussen und Schweiss von innen war, entschied ich mich dann doch fürs Bett.

Und jetzt ist Mooncake-Festival.
Das Herbst-Fest Chinas. Da sei halt einfach der Mond ein bisschen runder als sonst, und das müsse gefeiert werden. Und wir auf der Botschaft werden überhäuft mit diesen kleinen Törtchen.

Voller Überraschungen stecken sie. Da kann alles drin sein. Grüntee, Haselnüsse, Tabak, Seegras, ja sogar Fisch. Und die überglücklichen finden ein Eigelb darin.
Alle Jahre wieder beisse auch ich in so ein Küchlein. Und alle Jahre wieder spucke ich das Abgebissene aus und der Rest wandert zu Rupert Shrimp ins Aquarium. Dieses Jahr hatte ich etwas, das roch nach Aprikose, irgendwie. Aber die Konsistenz war, als hätte ich ein bisschen Tabak mit Früchte-Geschmack von einer angebrannten Wasserpfeife ins Mund gestossen.
Zum davonlaufen… joggen, meine ich.

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