Auf der Mauer, auf der Lauer!

marco · September 13, 2009 · Allgemein · 1 comments

Gestern war ich kurz in der Schweiz.
Ich hab mir nach langer Hörpause endlich anhören dürfen wie der Held Julian den Weg Granada – Bern mit dem Fahrrad zurück gelegt hat.
Respekt!
Ich bitte euch kurz aufzustehen und für diese Meisterleistung zu applaudieren.
Bravo!
Danach haben wir noch zusammen gegessen, ich zu Abend, er irgendetwas zwischen Mittag und Abend.
Wahnsinn was die heutige Technik alles zu Stande bringt.
(Scotty, beam me up!)

Ich bin ja hier nicht gerade der Hauptsehenswürdigkeitskiller, so war ich bis jetzt noch nie in der verbotenen Stadt, oder beim Himmelstempel. Das hat zwei Gründe:
Erstens, es ist ja nicht so, dass ich stress hätte, da 4 Jahre… sie wissen schon und zweitens habe ich noch ein- zwei andere Sachen die Zeit in Anspruch nehmen. So bin ich zum Beispiel jetzt fix und fertig umgezogen, habe meine Höhle in Beschlag genommen, welche mir hoffentlich für die… sie wissen schon, so und soviel Jahre, treu bleiben wird. Neue Möbel mussten ausgesucht werden, und alte Möbel aus der Schweiz warten immernoch auf ihre Verzollung.


Trotzdem habe ich es gestern auf eines der Weltwunder geschafft. Auf die chinesische Mauer.
Als Hahn im Korb, in Begleitung von 4 des anderen Geschlechts, was gar nicht zur Freude von “Pigeon” war (Hahn, Pigeon, wer hier nicht à jour ist könnte bei diesen Textereien also noch auf Ideen kommen… aiaiai), machten wir uns in aller Früh auf hinaus aufs Land.
Bereits die Fahrt gehört mit zum Erlebnis. Da sieht man Unfälle, sitzende Hühner auf der Strasse, welche von dieser schlicht nicht mehr weichen wollen (Suizid?), geschlachtete Schafe am Strassenrand, den selbsternannten “romantischsten Garten von ganz China”, trostlose Dörfer, wo man die Armut sieht und spürt, lange Strassen, der länge entlang geziert von rustikalen Verkaufsständen, unterhalten von Bauersfrauen, welche ihr Leben lang wahrscheinlich nichts anderes tun, als tagaus- tagein versuchen etwas Geld zu machen, heruntergekommene, trotzdem bewohnte Hütten, zwischendurch ein Gebäude, noch eingepackt von der Baustelle, keine Arbeiter mehr, Geld ausgegangen, Bauprojekt abgeblasen, das halb fertige Gebäude wird stehen gelassen, bis es eine Ruine und schlussendlich nichts mehr ist.
Schlicht einmal etwas anderes als der Grossstadtdschungel.
Die Mauer dann, um hundertachzig Grad ein anderer Gefühlsauslöser. So weit das Auge reicht zieht sie sich in die Länge und wir hatten Glück, das Auge reichte weiter, als das mir bis anhin bekannte Auge in China reichen kann, wir wurden von Prachtswetter förmlich erschlagen, keine Wolke trübte das blaue Himmelsbild, die Hitze war bei den Aufstiegen erdrückend und bei den Abschiegen ermutigend. Vier Stunden wanderten wir dieser Steinkerbe durch die Natur entlang.
Rauf, runter, rauf, runter.
Es mussten verschiedene Architekten am Werk gewesen sein, denn die Stufen der Steintreppen waren aber wirklich ausschliesslich, nicht eine einzige gleich hoch, oder gleich breit wie die anderen.
Das ergibt allerdings noch eine praktisches Laufmuster, sehr abwechslungsreich, so werden Knie-, Waden-, Oberschenkel- und Füddlespann-Muskeln alle mal beansprucht.
Zur Belohnung gab es zurück in Beijing eine 3 Sterne Fussmassage. Sehr interessant was man aus den Füssen alles lesen kann, für einen gelernten Masseur sind Füsse wie offene Bücher über den zu massierenden.
“Ah hier, dieser Punkt, da sind sie verpannt, sie haben diese Woche nicht gut geschlafen nicht wahr?” hiess es zur Bernerin, welche effektiv letzte Woche aus der Schweiz zurückkam und so noch vom Jetlag geplagt wurde.
Ich wurde jedenfalls meines Erachtens ziemlich grob dran genommen, und lustigerweise habe ich heute Muskelkater von der Massage und nicht vom Weltwunder. Ob das jetzt für die Masseuse spricht, oder nicht, sei dahingestellt.

Und für alle die es noch nicht wissen, aber die Mauer ist aus dem Weltall NICHT ersichtlich, dies war ein PR-Gag der Chinesen um den Tourismus zu pushen.

1 Comments:
  1. Ja, die Mauer..
    ist ein typisches Marco Bild übrigens. 90% Himmel, um diesen ja nicht in die Mitte zu nehmen 😉

    Hat wahrscheinklich auch andere Gründe, wenn du schon den Tourismus ansprichst.

    Olivi · September 17, 2009

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