Asozial und familiär schwitzen

marco · April 21, 2012 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

Alle schwitzen sie vor sich hin. Jeder ist in seiner eigenen Welt sich am abackern. Ich betrete das Gym, und obwohl ich mich unter Leute begebe, fühle ich mich irgendwie ganz alleine.

Ein Fitnessstudio habe ich in der Schweiz kaum je besucht. Hier in Beijing kommt es allerdings zwischendurch mal vor, dass ich da lande. Allem voran auf der sogenannten “Heuschrecke”. Dies das Teil, dass irgendwie in seiner Form aussieht wie ein übergrosses Insekt. Allem voran verkrieche ich mich von Zeit zu Zeit in diesem Schwitzkasten, da es in Beijing schlicht nicht so anmachend ist sich draussen an der “frischen Luft” zu tummeln. Ich passe mich dann jeweils der roboterartigen Mehrheit an, stopfe mir Stöpsel in die Ohren und schalte den Fernseher vor mir ein. So werde ich jeweils über alle möglichen Casting-Shows auf den Unterhaltungs- und Hundeflüsterer auf den Dokumentarkanälen aufdatiert.

Jedoch geht es auch anders.
Da es scheinbar nicht jedem gegeben ist sich auf asoziale Art und Weise fit zu halten, hat die chinesische Regierung quer durch die Stadt etliche öffentliche Fitnesstudios platziert. Nebst den üblichen uns bekannten Geräten, hat es auch ganz lustige Eigenkreationen dabei. Da gibt es ein montiertes Steuerrad, welches die Besucher einfach stundenlang in eine Richtung drehen können, oder ein Gewichtheber, einfach ohne Gewicht. Und irgendwo verschmilzt das ganze dann noch gleich zum Spielplatz, wo sich die Kinder auf den Schaukelpferden tummeln können.

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Mein absoluter Favorit jedoch, das Po Massage-Gerät.
Man sitzt auf eine drehbare Stange, die mit Noppen ausgestattet ist, und wälzt darauf sein Po hin und her. Sensationell. Nach diese Kur sitzt es sich auch gleich wieder viel besser.

In Beijing wird also der Gang zum Fitnessstudio ein Familienausflug. Da kann die Grossmutter ein bisschen steuern üben, Grossvater führt angeregte Gespräche während er Gewichte stemmt, das Kind schaukeln ohne das ihm übel wird und der Vater bring sich auf der Heuschrecke mit nur einem Schwierigkeitsgrad auf Vordermann.

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Derweilen strample ich mich immer noch vor dem Hundeflüsterer ab. Irgendeinmal ist es mir aber doch zu viel Gejault und gebe auf.
Den Strampler neben mir entpuppt sich als mein Nachbar. Ich verabschiede mich von ihm und wünsche viel Spass. Er winkt mir nur zu und fällt dabei fast vom Laufband. Das Sprechen scheint er verlernt zu haben.

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