Abenteurer und Krieger

marco · November 08, 2011 · Chineese Culture, Travel · 1 comments

Als er vor mir stand, hatte ich das Gefühl, es sei ein Minenarbeiter.
Von Kopf bis Fuss von Kohlenstaub bedeckt. Die Taschen Russ übersät. Die Fahrräder unter dem Schmutz kaum zu erkennen.
Es regne halt und da würde der Dreck der Kohlekraftwerke auf den Strassen zu groben Schlack geknetet, der sich überall dran haftet.
Dies sagte Juan Ly etwa im gleich unspektakulären Ton, wie ich sagen würde „schmeckt gut dieser Kräutertee“.

Ja richtig, ich hab sie also getroffen, die zwei Helden Juan Ly und Sael Um, die gleich noch mit dem Frutiger Fred daher kamen. Seit Monaten suchen sie sich auf der Seidenstrasse ihren Weg von Bern nach Peking.
Wer diese Geschichte verpasst hat, kann sie hier nachlesen und weiterverfolgen:
http://2wheelsblog.wordpress.com/

Unsere Wege haben sich in der Stadt Xi’an programmiert gekreuzt. Diese Stadt, vor allem bekannt durch die Terrakotta Armee, erstaunte mich aber als aller erstes durch ihre Entwicklung… ja Shoppingmöglichkeiten. An einer Strasse, der Hauptachse von Süd nach Nord, war Gucci neben Louis Vuitton, der vis à vis vom Hotel Ritz stand. Einmal mehr habe ich selbst wieder vergessen, dass ich in China bin und es hier keine sogenannten „kleine Städtchen“ gibt.

Auch die Arschbacken eines jeden Fahrradfahrers, gerade deren ohne sexy, gepolsterten Fahrradhosen, müssen mal geschont werden. Ausnahmsweise per Bus also ging es in die Armee.
Schon früh wird klar gemacht, dass die Chinesen diese ausgegrabene Terrakotta Krieger als achtes Weltwunder betrachten. Demnach skeptisch sind wir in die erste Halle eingetreten. Zu viele Gerüchte kursierten in meinem Kopf, zu viele Bilder habe wir gesehen von gefälschten Kriegern, die ihren Platz eher im Europa Park verdient hätten, als in einer der grössten Touristenattraktionen ganz Chinas.
Und doch, als sich diese Armee an hunderten Kriegern vor mir ausbreitete, gab ich mich geschlagen. Ich war beeindruckt.

Jede Figur anders. Wie kein Praliné eines richtigen Chocolatiers gleich ist, sind auch die Gesichter, Anzüge und Haltungen der Krieger bei jedem anders. Nur eines haben sie oft gemeinsam, der Gesichtsausdruck. Grimmig und bereit zum Kampf.

Eine der Geschichten besagt, dass der Qin Kaiser eine Armee hat herstellen lassen, dass er bei seinem Abgang ins Jenseits, dort gleich wieder mit einer Armee auftrumpfen kann. Teilweise sah es auch aus, als sei eine richtige Schlacht ausgetragen worden. Nur noch verstümmelt und zerstückelt lagen sie in ihren Gräben.

Aber eben, die eigentliche Attraktion meines Aufenthalts, waren die Kondukteure der Zweiräder. Geschichten haben sie auf Lager, die auch tausende Fotos nicht tragen könnten.
Wie für einen Justin Bieber Fan es das grösste sein muss, mit dem Star ein Duett zu singen, wurde mir dann eine ähnliche Ehre zuteil.

Ich durfte mir einen Sattel unter meinen Allerwertesten klemmen und mit den Abenteurern auf der Xi’an umrundenden Mauer eine Ehrenrunde drehen. Vom Muslimenviertel, von der Altstadt, sowie vom Bell-Tower wurde uns zugerufen. Auch wenn die Rufe nicht uns galten, sondern dem Verkehr und die Rufe gar keine normalen Rufe waren, sondern der alltägliche, chinesische Stadtlärm, fühlte es sich doch irgendwie an, als wäre es unsere kleine Stadt in dem Moment.

Gerne wäre ich für den Endspurt gleich mitgezogen, hab ich mich doch von der Art auf dem Zweirad zu reisen erneut inspirieren lassen.
Nächstes mal dann wieder.
Die Reise geht für die Jungs noch einige Wochen weiter, bevor sie dann zum grande Finale in Beijing eintreffen. Da werden sie erwartet. Oh ja und wie!
Ich applaudiere bereits…

1 Comments:
  1. yeeeeah, sooo cool die bilder, das schmöckt nach spass:) gniessets de fest!!! u dir liebi grüess marquis, chauuuuuuuu

    cristy · November 08, 2011

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