90 Jahre und ein Ei

marco · July 05, 2011 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

Raffiniert und geschickt gelangten ja die Kommunisten in China an die Macht. Und dieses geschichtliche Ereignis feiert nun seinen 90sten Geburtstag.
Dies wurde mir in Erinnerung gerufen, als ich letzthin mal wieder auf dem Weg war zum “Egg”. Also, zu diesem eierschalenförmigen Konzertgebäude Pekings.
Die kommunistische Partei liess es sich natürlich nicht nehmen, den Platz des himmlischen Friedens zu diesem Anlass ein bisschen zu schmücken.

Im “national center of performing arts”, kurz dem NCPA, gastierten dieses Jahr erneut die Musikanten des Orchesters aus Luzern. Als einziger Besucher der Botschaft geglaubt, wurde ich überraschenderweise am Eingang von unserem Botschafter begrüsst. Dieser fand es lustig, dass ich von der Security, bei dem Versuch Wasser in der Hosentasche in den Konzertsaal hinein zu schmuggeln, aufgehalten wurde:
“Mais vous devez savoir comment vous comportez Monsieur Tschuy”, meinte er nur augenzwinkernd.
Phenomenal dann das Konzert! Die Musiker an sich schon hervorragend, aber für mich vor allem wegen der sensationellen Akustik in diesem Ei ein Spektakel. Obwohl scheinbar zahllose Musiker auf der Bühne sind, hat man das Gefühl von jedem einzelnen den Ton erfassen zu können. Alles rund um einem herum wird schwammig, wie am Meeresgrund, und man fühlt sich plötzlich ganz alleine mit dem Orchester.
Der aufstrebende Violinist Feng Ning verlieh dem Konzert noch das gewisse etwas. Auf seiner Geige violierte er wie ein Zauberer mit seinem Zauberstab. Er schien auf der Suche nach neuen Tonkreationen und fand sie auch. Er folgte den Anweisungen des Dirigenten James Gaffigan. Der Chef des Orchesters war ein krausehaariger, kleiner Mann, der fast zwei Podien benötigte, um von allen Musikern erfasst werden zu können. Umso Grösser jedoch sein Können. Gut, als Laie ist es für mich natürlich schwierig dies gekonnt zu beurteilen, aber er war auf seine Art beeindruckend.

Dieses ganze Ereignis versuchte ich natürlich bildlich einzufangen. Leider gelang mir das nur mühselig, da während dem meine Kamera daran war zu fokussieren, ständig ein roter Punkt auf meinem Display aufleuchtete, der nervös hin und her zabbelte, als wäre ich im Visier eines Scharfschützen.
Es war zwar kein Scharfschütze, aber ich wurde bewusst von einem Sicherheitsbeauftragten mit einem Laserpointer bei meinem Vorhaben gestört. Der machte mir quasi mit seinem roten, penetranten Licht einen Strich durchs Bild.
Und wenn ich mich nicht grob irre, hat er jeweils eine Sichel zusammen mit einem Hammer auf mein Fotoapparat gelaserpointed.
Eben, wie Karl Marx schon wusste:
Freiheit ist ein Luxus, der sich nicht jedermann leisten kann

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