„Vada a bordo, cazzo!“

marco · February 03, 2012 · Beijing, Chineese Culture · 0 comments

„Gehen sie an Bord, verflucht nochmal!“
Solche, und wohl viele weitere Beschimpfungen, musste sich der Kapitän der „Costa Concordia“, Francesco Schettino, anhören müssen.
Der Kapitän, der das sinkende Schiff verlassen hatte und als feige Ratte weltberühmt wurde.
Weltberühmt?
Nicht ganz! In China scheint bei dem Begriff „Costa Concordia“ kein Nebelhorn zu heulen. Anders kann ich mir nämlich folgende Beobachtung nicht erklären.
Seit über zwei Jahren betrete ich mein Wohnungsgelände durch den selben Eingang. Jeden Tag passiere ich dabei die selben Büros. Links und rechts an mir zieren verschiedene Reiseveranstalter meinen Weg. Und jeden Tag passiere ich dabei ein Reisebüro, wo eine chinesische Dame im Matrosenanzug Werbung macht für Kreuzfahrten mit „Costa“. Viel dabei gedacht habe ich mir bisher eigentlich nicht. Ausser vielleicht, wer wohl von China aus solche Reisen buche würde und dass die Photomontage mit dem Schiff, geankert vor ein paar antiken Ruinen, etwas missraten sei.
Und jetzt, durch den durch die Presse geschleiften Begriff „Costa“, wurde ich zum ersten Mal richtig aufmerksam auf diese Werbung. Noch dachte ich mir, hähä, lustig, dass die immer noch Werbung machen, und würdigte dem Plakat, mit dem Schiff darauf, eines zweiten Blickes. Und siehe da, in diesem Reisebüro gilt die „Costa Concordia“ noch als vollends seetüchtig.

Für die Chinesen scheint die Kreuzfahrtfähre also nicht havariert zu sein. Wahrscheinlich haben sie diese Neuigkeit irgendwie verpasst.
Würde mich schon gelüsten, in dieses Büro zu gehen, um eine Kreuzfahrt zu buchen. Und zwar genau mit dem Schiff aus dem Schaufenster. Und nur diesem Schiff, keinem sonst. Per Zufall hätte jemand gerade die Zeitung auf dem Tisch vergessen. Auf der Titelseite, die in Schieflageabgebildeten „Costa Condoria“. Gekleidet im T-Shirt, mit dem Spruch „Vada a bordo, cazzo!“ würde ich dann mein Ticket erwerben.
„Und auf wesen Name lautet das Ticket bitte?“
„Francesco Schettino, Capitano!“

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