Delegation Tschuy in China

Es plätschern ja hin und wieder Besucher in China ein. Da war es nur eine Frage der Zeit bis meine Regierung, sprich meine Eltern, auch mal eintreffen würden. Den ältesten Bruder hatten sie gleich mit im Schlepptau und so zogen wir durchs Land.

Für mich neu diesmal war, dass ich für die Ehrengäste ein Auto organisierte. Ohne Chauffeur, denn fahren kann ich selber, auch wenn es sich beim Gefährt um eine eher klapprige “Peugeot”-Kiste handelt.
Eins ist klar, im schweizer Fahrstil käme man in China nicht weit. Da würde man irgend in einer Einfahrt alt und grau dahin vegetieren.
Die Devise im pekinesischen Strassenverkehr lautet: drängeln was das Zeug hält. Das funktioniert erstaunlich gut. Teilweise wird im Stau oder stockenden Kollonenverkehr Millimeter Arbeit verrichtet. Und für die Ultra-Drängler, von denen es ein paar Millionen gibt und sich skrupellos an den stehenden Autoschlangen über den Pannenstreifen vorbeischleichen, um dem Vordersten vor die Nase zu fahren, hat man auch ein As im Ärmel parat. Die Hupe! Wo ich in der Schweiz kaum wusste, wo sich diese befindet, wurde ich hier zum regelrechten Hupexperten.
Die Frechheit der Chinesen wurde somit gekonnt behupt. Und auch wenn die Effizienz davon in Frage gestellt ist, rein dem Gemüt tat es gut.

Irgendwie fanden wir immer einen Weg durch den Verkehr zum Ziel. Dort wurden diese Schweizer mit weisser Haut, und teils weissen Haaren, auch oft behandelt wie Stars. Nicht nur auf meiner Kamera, sondern auch auf deren von ein paar Chinesen sind nun Bilder dieser Art zu finden. Familienzuwachs à la chinoise.

Nach erklommenen Treppen zur Mauer, dem Gang in verbotene Städte, Erleuchtungen in Himmels- und Lama-Tempel und Besuch im Vogelnest ging die Reise weiter nach Shanghai. Diesmal jedoch ohne den Nervenkitzel der Strassen, mit 300 Sachen auf Schienen. Was es in Peking an Kultur gibt, findet man in Shanghai an essen. Dank dem durch viele Jahre angeeigneten Insider-Wissen von Sarah, wurden wir sprichwörtlich in kulinarische Höhen getragen. Von Essen auf ca. 300 Metern über der Stadt, bis zu den paradiesischen Geschmäckern Yunnans.
Das Tüpfelchen auf dem I lieferte das Wetter, welches stets mit uns war.

Zurück in Peking gab es auch für mich eine Neuerung. Eines der Abendprogramme gestalteten wir akrobatisch. Für was die Chinesen ja weltbekannt sind, wird in Peking jeden Tag vorgeführt. Wo wir in Europa ins Kino gehen, geht man in Peking eine Akrobatik-Show anschauen. Und wahrhaftig, zu staunen gab es viel. Jegliche Utensilien die man in einem normalen zu Hause findet, wurden verwendet und umfunktioniert zu waghalsigen Künsten. Es wurde auf Stuhltürme geklettert, etwa 15 Leute auf ein Fahrrad gedrückt, mit Schirmen jongliert und auf Treppen umher getanzt. Teilweise verrenkten sich die Akrobaten derart krass, dass man den eigenen Rücken schon nur vom zuschauen knacken hörte.
Zum grande Finale dann wurde noch die Todeskugel enthüllt. Ein enges Gittergerüst, wo anfangs ein Motorrad allein seine Loopings dreht und am Schluss deren Sechs darin ihren Weg suchen und finden.
Nehmt euch die 5 Minuten um diese abartigen Stunt mitzuerleben:

Die Delegation gab sich sehr zufrieden. Gestern, bei einem abschliessenden Drink in einer japanischen Whiskey-Bar fragte mein Bruder in die Runde, was denn in diesen zwei Wochen jedem am besten gefallen hat. Die Nummer Eins Platzierung viel bei allen etwas anders aus, aber dicht gefolgt darauf kam jeweils das Essen. Ja das stimmt, Essen kann man Querbett ausgezeichnet in China. Und das reicht von exotischen Schweinsinnereien, bis zu abgefahrenen Balsamico-Eiskrem. Allein für den Gaumen also ist es die Reise nach China wert.

Eigentlich seien sie in allen Belangen positiv überrascht worden, meinte die Delegation abschliessend. Und die Statistik zeigt doch, dass dies eigentlich allen Besuchern bisher so ergangen ist.

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Brasilien, ich muss mal

Die Chinesen mögen es durchaus mal gern brasilianisch. Obwohl, meist kommt es einem dann doch etwas spanisch vor.

Es herrscht grosses Kommen und Gehen auf der Botschaft zur Zeit. Auch mein Bürokumpane hat seinen Job an den Nagel gehängt. Zu diesem Anlass wurden wir von einem chinesischen Kollegen zum brasilianischen Barbecue ausgeführt.
Als erstes packte der auch gleich eine Flasche “Bai jiu” aus. Dies das nationale Alkoholgesöff, welches einem drei Tage danach noch Magenbrennen verursacht. Diesmal jedoch war ich um das Getränk dankbar, denn irgendwie verlieh es mir das Gefühl, dass es all die Bakterien, die ich übers Essen einnahm, auch gleich wieder verätzte.
Was genau an dem brasilianischen Barbecue hätte brasilianisch sein sollen, ist mir jetzt noch nicht klar. Das Buffet, das voll gestopft war mit der billigsten zu findenden Ware, breit gefächert von Pommes Frites bis Salat mit French Dressing, kann es nicht gewesen sein. Mit aller höchster Wahrscheinlichkeit waren es die enormen Spiesse, mit aufgestochenen Hühnern bis Rindszungen daran, die uns alle paar Minuten auf den Tisch geknallt wurden. Das Fleisch daran roch allesamt gleich nach den Überresten vom Fisch auf dessen Grill es gebraten wurde.
Sowieso schien das Restaurant vor allem für seine Fischspeisen beliebt zu sein. Ein Tisch voller Chinesen hatte alle knallig, pinkigen (!!!) Krevetten die es zu finden gab beschlagnahmt und verschlangen diese animalisch. Und nur die Shrimps.

Zum Glück gab es nebst den etwas daneben gegriffenen Speisen noch das altbewährte “Qing dao” Bier abzuzapfen. Und da auch dies wie alles andere à discretion zur Verfügung stand, war es bald einmal egal, ob es nun ein chinesisch brasilianisches, oder ein brasilianisch chinesisches Barbecue war.
Der Blick in die putzbedürftige Küche auf dem Weg zur Toilette möchte ich auch nicht in nüchternem Zustand wiederholen müssen.
Das Buffet mag nicht der Hit gewesen sein, aber das Erlebnis war einmal mehr perfekt, und das danken wir in Ehren unserem Gastgeber.

Gar nicht erst auf den Weg zur Toilette machte sich dieser junge Herr.

In einem Elektrogeschäft sind Toiletten auch sehr dürftig gesät. Da sind leere CD-Spindeln schon viel eher anzutreffen und die tun es auch, solange nicht noch Nummer 2 nach rutscht.
Auch wenn dieser Akt in unserer Verständniskategorie keinen Platz findet, habe es durchaus seine Vorteile, wurde mir erklärt. Chinesische Kinder lernen so, im Gegensatz zu unsereins, um einiges früher den Gang zur Toilette.
Eines glaube ich sofort, mir hätte es als Kind eine Heidenfreude gemacht in einem Supermarkt in einen Plastikbecher pisseln zu dürfen.

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Asozial und familiär schwitzen

Alle schwitzen sie vor sich hin. Jeder ist in seiner eigenen Welt sich am abackern. Ich betrete das Gym, und obwohl ich mich unter Leute begebe, fühle ich mich irgendwie ganz alleine.

Ein Fitnessstudio habe ich in der Schweiz kaum je besucht. Hier in Beijing kommt es allerdings zwischendurch mal vor, dass ich da lande. Allem voran auf der sogenannten “Heuschrecke”. Dies das Teil, dass irgendwie in seiner Form aussieht wie ein übergrosses Insekt. Allem voran verkrieche ich mich von Zeit zu Zeit in diesem Schwitzkasten, da es in Beijing schlicht nicht so anmachend ist sich draussen an der “frischen Luft” zu tummeln. Ich passe mich dann jeweils der roboterartigen Mehrheit an, stopfe mir Stöpsel in die Ohren und schalte den Fernseher vor mir ein. So werde ich jeweils über alle möglichen Casting-Shows auf den Unterhaltungs- und Hundeflüsterer auf den Dokumentarkanälen aufdatiert.

Jedoch geht es auch anders.
Da es scheinbar nicht jedem gegeben ist sich auf asoziale Art und Weise fit zu halten, hat die chinesische Regierung quer durch die Stadt etliche öffentliche Fitnesstudios platziert. Nebst den üblichen uns bekannten Geräten, hat es auch ganz lustige Eigenkreationen dabei. Da gibt es ein montiertes Steuerrad, welches die Besucher einfach stundenlang in eine Richtung drehen können, oder ein Gewichtheber, einfach ohne Gewicht. Und irgendwo verschmilzt das ganze dann noch gleich zum Spielplatz, wo sich die Kinder auf den Schaukelpferden tummeln können.

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Mein absoluter Favorit jedoch, das Po Massage-Gerät.
Man sitzt auf eine drehbare Stange, die mit Noppen ausgestattet ist, und wälzt darauf sein Po hin und her. Sensationell. Nach diese Kur sitzt es sich auch gleich wieder viel besser.

In Beijing wird also der Gang zum Fitnessstudio ein Familienausflug. Da kann die Grossmutter ein bisschen steuern üben, Grossvater führt angeregte Gespräche während er Gewichte stemmt, das Kind schaukeln ohne das ihm übel wird und der Vater bring sich auf der Heuschrecke mit nur einem Schwierigkeitsgrad auf Vordermann.

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Derweilen strample ich mich immer noch vor dem Hundeflüsterer ab. Irgendeinmal ist es mir aber doch zu viel Gejault und gebe auf.
Den Strampler neben mir entpuppt sich als mein Nachbar. Ich verabschiede mich von ihm und wünsche viel Spass. Er winkt mir nur zu und fällt dabei fast vom Laufband. Das Sprechen scheint er verlernt zu haben.

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Chinesischer Schweizer Firmenausflug

Schon mal im Diesel Zügli durch einen Bambuswald gebraust?
Schon mal in Wein gebadet?
Schon mal schwarzer Reis gegessen?

Alles möglich in China. Aber nur dort, wo man es nicht erwartet.

Zum Osterwochenende wurde mir die Ehre zu Teil, meine Freundin auf ihrem Firmenausflug zu begleiten. Soviel ich wusste arbeitet sie für eine Schweizer Firma. Ausser dem Chef und ihr selbst, sind jedoch alle Mitarbeiter Chinesen. Da erstaunt es wenig, dass es ein sehr chinesischer Ausflug wurde.

Als erstes gab es mal wieder Bambus. Zuerst auf dem Teller, und dann noch am Berg. Da wo der Bambus am schönsten spriesst, kann man den Berg erklimmen. Jedenfalls die, die die Kraft dazu haben. Für alle anderen gibt es ein Diesel betriebenes Tschu-Tschu Bähndli, das einem zu den Gondeln tuckert, welche einem dann auf die Bergspitze gondeln.

Die Szenerie wäre unglaublich. Dichter Bambus überall. Grün. Wuchernd soweit das Auge reicht. Aber leider Wie so oft wird diese Pracht ausgemerzt und mit tausenden Besuchern überschüttet. Da ist nichts von wegen Ruhe und Idylle. Wo wir uns noch ganz schweizerisch für eine Wanderung ausrüsten wollten, mit Wasser, Brot, Banane und Schoggi, merkten wir schnell, dass dies überflüssig war. In maximalen Abständen von hundert Metern gab es jeweils ein hingestellter, chinesischer Kiosk.
Nichtsdestotrotz, der Aufstieg, schön präpariert mit mehr oder weniger gleichmässigen Treppenstufen, war harter als erwartet und die Aussicht oben dann auch ganz beachtlich. Und wo es bei uns auf der Spitze jeweils Kafi-Lutz und ein paar Pommes Frites gibt, wird auf dem Bambusberg Bier und “stinky Tofu” serviert.

Um die Beine für die paar hundert Treppen Stufen zu entlöhnen (jedenfalls jene, die sie effektiv erklommen sind), gab es danach ein Spa.
An dem See mit Namen “Tian mu hu” wurden wir im “Hentique” Hotel einquartiert. Und das hatte es durchaus in sich. Am Hang gelegen, wird man als erstes im Lift überrascht, wo man in der obersten Etage einsteigt und nur Stockwerke nach unten zur Verfügung stehen. Vor dem Hotel erstreckte sich dann auch eine elegante Aussicht auf den genannten See. Dieser von dem her auch für eine Überraschung gut, da die gegenüberliegende Küste, entgegen allen Erwartungen, null überbaut ist und man so schon fast etwas Kitsch in der Wasseroberfläche aufglitzern sah.

Jedoch die grösste Bescherung gab es eben im Spa, als wir plötzlich in unserer Badehose vor einem heissen Pool voller Wein standen. Daneben gleich noch ganz andere Aromen, wie Kirsche, Ingwer, Rosen-irgendwas und sonstiges Zeug.
Zugegeben, einen Schluck habe ich von keiner dieser Bäder genommen. So einer hätte wohl mehr als nur ein befreites Gefühl und ein wenig Schwindel ausgelöst. Allem voran wahrscheinlich auf der Toilette. Dafür haben wir die Aussicht umso mehr eingesogen, denn in einem heissen Bad zu schwadern, dazu mit Aussicht auf See und Sterne, dass lässt sich durchaus geniessen.

Das Abendessen dann eher wieder hardcore chinesisch. Das uns vertrauteste der etwa 20 Gerichte auf dem Tisch war wohl der Reis. Und auch der wurde am Schluss noch schwarz und mit Zucker serviert.
Kaum fertig gespachtelt, werden die Stäbchen hingeschmissen und ohne ein Wort zu sagen haben die chinesischen Kollegen der Raum verlassen.
An zwei grossen Tischen blieben nur wir 3 Schweizer übrig.
Wir füllten die Gläser auf ein letztes und beendete den Abend à la chinoise.
GANBEI!!!

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Der nackte Rückzug

Irgendeinmal ist einfach genug mit Beton, Hektik, Lärm und Millionen von Menschen, die diese Eigenschaften mit einem teilen.
Wir schlugen zum Rückzug. Und es wurde der nackte Wahnsinn.

Nur ein paar Stunden von der Metropole Shanghai entfernt, findet man diese gewünschte Ruhe im Resort „the naked retreat“. Aus der Sicht von Wolkenkratzern, eingeklemmt zwischen Bambuswäldern und grünen Hügeln voller Tee, wurde in dem Gebiet von „Moganshan“ eine kleine Oase errichtet.
Mit Wurzeln aus Südafrika wurde in dieser Nische der Unberührtheit ein Dorf eingepflanzt, dass vom Auftritt her noch seinesgleichen sucht in China. Die Grete zum Tal wir von Villas mit privatem Jacuzzi geziert und für etwas normal sterblichere wie wir gab es Bungalows in Mitten des Waldes. Diese Oval geformten Hütten mit Strohdach waren derart gemütlich eingerichtet, mit Balkon hinein in die Bäume und einem Bett wo eine ganze chinesische Familie drin Platz gefunden hätte, das man sich nur mit Mühe überhaupt aus dem Gemach hievte. Passenderweise trugen diese Hütten Namen von Tieren. Da gab es die Elephanten eins bis sechs, die Giraffen eins bis vier und unseres, auf dem Hügel und Mitten im Wald, Bungalow “Monkey 2″.

Das Resort aber wirbt vor allem mit seinen Aktivitäten. Mit den etlichen Pools die es hat, paar davon sogar zur unendlichen Gattung gehörend, Wanderungen, dem obligaten Spa, BBQ Anlässe, und einem Feld, wo sich die unzähligen Kinder sich mit etlichen Ballspielen tummeln konnten, war man durchaus den Tag durch beschäftigt.
Manche von diesen Beschäftigungen gingen in aller Herrgottsfrühe los. So stand an unserem ersten Morgen Pilates auf dem Programm. Und dafür wurden wir mit einem Golf-Wäggeli abgeholt.
Richtig, abgeholt. Mit Golf-Wäggeli. Dem einzigen erlaubten Gefährt im Dorf zum nackten Rückzug.

Wenn die Chinesen nicht müssen, dann laufen sie nicht. Und zwar gar nicht. Keine fünfzig Meter. Schon unzählige Male fand ich mich umgeben von grossen Augen und offenen Mäulern, wenn ich meinte, kein Problem ich laufe nach Hause, oder zur Arbeit. Aber warum? Einfach so, aus Vergnügen. Laufen zum Spass? Dafür gibt es wenig Verständnis. Der nackte Rückzug hat sich für diesen Anspruch gerüstet und stellt jedem Gast einen Butler mit „Golf car“ zur Verfügung. Wir nahmen diese Dienstleistung ganz schweizerisch selten an und mussten uns gegen Ende jeweils fast schämen, wenn wir unseren Gastgeber „Michael“ auf dem Weg trafen und er uns zum hunderdsten Mal offerierte uns jeweils abzuholen. Unseren Kommentar von wegen laufen und so nahm er gar nicht mehr auf und meinte schon fast gekränkt „ok, see you“.

Zu Fuss ging es auch auf den eigentlichen „Moganshan“, wo sich der „Chairman Mao“ zu seiner Zeit in diesem Haus die Ferien vertrieb.

Das Gebiet ist allgemein bekannt bei den wohlhabenderen Chinesen und ihren Ferienetablissements. Jedoch scheinen die Architekten in China nicht grossen Unterschied zu machen, ob sie nun ein Gebäude für die Stadt, oder Land bauen. Der Hügel Hang des Moganshans ist bepflastert von Betonbunker, die eher Dornen im Auge der Landschaft sind, als Augenweiden, die man sich auf der Flucht von der Stadt erhofft hat.
Nebst den Strassen wuchert die Natur zum Glück wild. So weit das Auge reicht drängt sich Bambusbaum an Bambusbaum. Mit diesem wird auch arg geschäftet. Ein Bauer, der gerade daran war ein Bambusbaum zu fällen, erzählt uns, dass er diesen für 20 bis 40 Yuan auf dem Markt los wird. Umgerechnet sind das zwischen 3 bis 6 Franken pro Baum. Kaum auszudenken ist die Marsche, welche die Händler auf ihre Designer-Stühle und Schränke schlagen.
Nichtsdestotrotz hat es etwas magisches in einem dichten Bambuswald zu spazieren. Man fühlt sich wie in einem der chinesischen Märchen, bereit den Säbel zu zücken und auf den Baumwipfel umher zu tanzen. Und wo eigentlich nur der an Bambusstängel knabbernde Panda im Bild fehlt, findet man dafür die überaus giftige Bambusschlange im Gestrüpp.

Wir wurden mal wieder auf natürliche Art und Weise verwöhnt. Diese reichte vom Hügel nebenan gepflückten Tee in der Tasse, bis zum Salat aus der Region auf dem Teller.
Zum Glück nicht auf dem Teller landeten bisweilen unsere letzten Bekanntschaften des nackten Rückzugs. Shava, Shaka und Kameraden. Diese prächtigen, chinesischen Gallions-Pferde gewährten uns zum krönenden Abschluss auf ihren Rücken durch das Gebiet Moganshans zu spazieren und traben. Dafür liessen sie auch keine Gelegenheit aus mal ein bisschen Bambus zu knabbern. Statt Pandas, hatten wir also Pferde, die sich an den grünen Rohren vergnügten.

Unser nackter Rückzug hat sich gelohnt. Von der Natur gestärkt bliesen wir zum Vormarsch und fanden uns in einem Haufen festgesessenen Chinesen am Bahnhof in Hangzhou wieder. Alle Züge zurück nach Shanghai ausgebucht.
Aufzufallen ist nicht immer ein Nachteil. In diesem Fall kam es uns ganz gelegen als Ausländer heraus zu stechen. Schnell hatte uns ein Schwarzmarkthändler gefunden und uns ein paar Tickets verkauft. Die Zug-Billets gehen nach Namen und Passnummern. So wurde aus Sarah ein gewisser „Gong Yu“ und aus mir „Zhang Yang“. Dank unseres Aussehens stellte dies auch niemand in Frage und liess uns aus ihren mangelnden englisch und unseren plötzlich vergessenen chinesisch Kenntnissen ohne Probleme passieren.
Aber es ist so, der Menschenmassen-Tumult Chinas braucht nerven.
Und wir somit schon bald wieder einen nackten Rückzug.
Michael, wir kommen wieder. Kein Problem, wir laufen.
„Ok, see you!“

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Shanghai, Hafen zur Welt

Der Ball in Peking hatten wir ja schon, so war es an der Zeit jenen Schweizer Ball in Shanghai auszuprobieren.
Die Fliege wurde abgestaubt und das Hemd, nein nicht gebügelt, sondern gleich neu massgeschneidert angefertigt.
Das Motto lautete ‘The Port of Shanghai, gate to the world’. Zweifelsohne ist das auch so, Shanghai ist ein Hafen zur Welt. Am Ball kam dieses Gefühl nicht ganz auf. Ein paar wenige Utensilien aus Grossmutters Keller und eine zu laut wingestellte Band, reichen leider noch nicht aus, um internationales Flair aus dem Ärmel zu schütteln.
Aber die gute Gesellschaft reichte aus um den Abend glanzvoll zu gestalten. Und die Begleitung verlieh dem Abend das märchenhafte Etwas, was man von so einem Ball erwartet.

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Blumenjunge im neuen Himmel

In der Schweiz sind es die Vögel in den Bäumen, in Frankreich die Stühle vor den Bistros und in Shanghai die heraus gehängte Wäsche in den Strassen die die Ankunft des Frühlings einläuten.

Ja tatsächlich, auch China hat den Sprung in den Saisonwechsel noch geschafft. “Schau her, sowas gibt es wohl nicht im Ausland” meinte der Shanghainese hinter mir auf Chinesisch zu seinem Kollegen, als ich dieses Foto schoss. Tatsächlich habe ich selten bis nie so viele von Kleider überhangene Strassen gesehen.
Das ist schön. So schön und warm, dass wir das Wochenende damit verbrachten, immer auf der von der Sonne beschienen Seite zu laufen und das quer durch Shanghais French Consession, bis kein Strahl mehr unser Haupt erreichte.

So wie das Mitbringsel vom Gast zur angenommenen Einladung, gehört auch die Blume zum Frühling. Und wenn man das alles mischt, hat man mich mit einem Strauss Blumen in der wohl angesagtesten Strasse Shanghais: “Xin Tian Di” (zu Deutsch:”neuer Himmel”).

Das mag ganz und gar unspektakulär klingen, wenn ich jedoch gewusst hätte was es bedeutet in China mit einem Frühlingsbouquet, zwischen ein paar Restaurants auf jemanden warten zu müssen, hätte ich es wahrscheinlich unterlassen.
Da schein es nicht viele zu haben, die in China mit einem wohlriechendem, farbigen Büschel auftauchen. Egal welchen alters oder Geschlecht, irgendwie lächelte mich jeder an. Die Chinesinnen in ihren halben Meter langen Stöckelschuhen neugierig, die kuhlen Chinesen, mit einem Hut in den Farben eines explodierenden Regenbogens, eher belustigt, wobei das ältere Ehepaar aus den Zeiten, wo noch kein Wolkenkratzer die Skyline zierte, ermutigend. Egal wie sie es meinten, alle zeigten sie mir den Daumen nach oben.
Ich versuchte mich stets aus den Blicken der Cocktail schlürfenden Gästen zu entziehen, doch war es wie ein Fluch. Egal in welche Ecke ich mich verzog, binnen Sekunden stand ich da mutterseelen alleine, wie eine hell leuchtende Laterne in der stockfinsteren Nacht. Ich fügte mich der Situation und hoffte nur, dass mein Date sich beeilen würde. Wie ein verkleideter Mickey Mouse im Disneyland musste ich mich ablichten lassen und bin wahrscheinlich in diesen paar Minuten, wo ich da wartete, auf etlichen Speicherchips verewigt worden. Sollten dies meine berühmten 5 Sekunden Ruhm gewesen sein, dann waren sie doch eher verkrampft.

Und endlich kam er dann. Enttäuscht schauten die Gäste in die Runde, als mein Date auftauchte und es sich dabei unerwarteterweise um einen Mann hielt. BÄM! Meine Retourkutsche zu dieser ungewollten Belagerung.
Natürlich wurden die Blumen zu einem späteren Zeitpunkt der Dame überreicht, für die sie bestimmt waren. Und diese war sicherlich auch ganz froh darüber, das die Übergabe ausserhalb des Rampenlichts geschah.

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Pekinesische Diven

Mit etwas kann Beijing mächtig auftrumpfen: Diven.

Wir warten hier ja schon einige Wochen sehnlichst auf den Frühling. Schliesslich ist das Frühlings-Neujahrs-Fest vorbei und diese Diva von einem Frühling könnte jetzt endlich den Vorhang lichten. Und tatsächlich, letzte Woche gab es erste An- und vor allem Sonnenscheine danach.
Die Temperaturen kletterten nach oben in den Zweistelligen Bereich. Die Ohrenwärmer durften in der Tasche bleiben und das Mittagessen bereits draussen zu einem genommen werden. Die Heizung dürfe getrost, wie von der Regierung geplant, am 15. März ausgeschaltet werden. Wir hatten ihn, den Frühling.
So dachten wir jedenfalls.

Es folgte eine Information der Stadtregierung, dass wegen eines bevorstehenden Kälteeinbruchs die “Heiztage” noch um 3 erweitert wurden. Diese 3 Bonustage kosteten die Stadt übrigens 33 Millionen Yuan, also rund 5 Millionen Schweizer Franken. Man rechne sich dies einmal auf einen ganzen Winter aus. Jedenfalls, unsere Hoffnung auf Wärme wurde vorerst etwas abgekühlt.
Und wir sollten auch nicht enttäuscht werden.

Am Samstag kam leider noch nicht der Frühling, aber eine andere Diva zu Besuch. Der deutsche Superstar DJ, Paul Kalkbrenner. Als Diva wird er hier einmal so bezeichnet, weil er sein Publikum, aha, da die Parallele, saumässig lange auf sich hat warten lassen. Seine etwas laschen Beats liessen dies nur teilweise, aber seine Steigerung zum Ende dann doch noch ganz vergessen.

Der Pöile jedoch war nichts im Vergleich zur Frühlings-Diva.
Einen Schritt aus dem Club, zog ich sogleich einen Schuh voll Schnee raus. Während dem wir die eine Diva auf der Bühne begrüssten, hatte sich die andere vorerst einmal gleich ganz abgemeldet. Nix mehr Frühling. Der Winter war zurück.

Beijing im Schnee. Innert Kürze hatte es in ein paar Stunden mehrere Zentimeter Schnee hingeworfen und die Stadt darunter vergraben. Was sonst keiner Regel gelingt, ist dem Schnee auf Anhieb gelungen und er hat die Strassen leergefegt. Die Tempelanlagen kriegten ein weisses Kränzchen verpasst. Die Bäume eine flaumige Pracht. Und die Stadt war still.
Magische Momente.

Danke liebe Winter-Diva für die Zugabe, war wirklich schön.
Aber jetzt aus, fertig und Bühne frei für andere.

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Todestaxi fürs Schätzchen

Was erschreckend danach klingt, als wäre gerade jemand durchgeknallte Spielchen am treiben, hat auf englisch ausgedrückt einen ganz anderen Hintergrund:

Death Cab for Cutie

Die Band aus Seattle, Washington gastierte letzten Samstag in Beijing. Nicht oft, aber immer öfter kommt es vor, dass Artisten mit internationalem Charakter der Kapitalen von China einen Besuch abstatten.
Trotzdem, was in der Schweiz als absolut selbstverständlich gilt, ist in China immer noch etwas spezielles. Viel spezieller schon nur deswegen, dass Künstler hier ihr Können auf viel kleineren Plattformen präsentieren dürfen, als sie dies in den Ländern tun, wo sie bereits über Ruhm und Ehre verfügen. Death Cab for Cutie füllen in den Staaten locker ihre Stadien, aber für uns spielten sie in einer Lokalität von der Grösse eines „Bierhübelis“.
Demnach Stimmungsgeladen ging das Konzert auch über die Bühne. Schnell hatten sie das ausverkaufte Haus auf ihrer Seite und führten uns durch eine 2 stündige musikalische Odyssee (wer sie nicht kennt, unbedingt mal ins neuste Album “codes and keys” reinhören).

Konzerte von grossem Charakter hat Beijing, wie hier auch schon berichtet, natürlich auch zu bieten. Dort scheint es jedoch, als wäre diese Sparte eher den ausgelutschten Künstlern überlassen, die auf der verzweifelten Suche nach einem Neuanfang sind.
So zum Beispiel Roxette letzten Montag, die, wie mir ein Kollege erzählt, vor halb leerem und auf Stühle gezwungenen Haus gespielt haben. Andere Beispiele dieser Museumsträchtigen Musikern, die in Beijing eine Plattform zur Neuerfindung sehen und gesehen haben zählen die Backstreet Boys, Westlife, Avril Lavigne, Il Divo und auch Bob Dylan. Alles Titel, wo man, wenn überhaupt, im Westen vor 10 Jahren nervös wurde, jetzt aber nur noch ein müdes Lächeln für sie übrig hat.

Es sind die kleinen Lokale die hier auftrumpfen. Und das ist gut so. The Roots, Andrew Bird und dieses Wochenende Paul Kalkbrenner, um nur ein paar wenige Namen zu nennen, die bei uns einfach mal so vorbeischauen.
Nebst den internationalen Titeln kommen natürliche die asiatischen Bands wie „Hanggai“ und „Carsick Cars“ nicht zu kurz und finden mehr und mehr in Beijing das Publikum, dass sie benötigen um mit ihnen zu wachsen.

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Es schliesst die Neueröffnung

“2013 ist die Markthalle Geschichte”
Der Titel des Artikels lässt mich erstarren und ungläubig weiterlesen. Es scheint Tatsache zu werden, in Bern sollen der allseits beliebten Markthalle die Türe verschlossen werden. Und wer wollen sie drin haben? “Einer für das Ganze”! (http://www.derbund.ch/bern/nachrichten/2013-ist-die-Markthalle-Geschichte-/story/11611652)

Das sind beinahe chinesische Zustände. In Peking gehen ganze Quartiere vor die Hunde, nur um einer grossen Einkaufsmeile Platz zu machen. Niedergewalzt wird Kulturgut, damit Gucci eine neue Led-Leinwand dahin platzieren kann.

Erst letzthin war es mal wieder so weit und ich konnte mein Haar vom Schopf durchs Nasenloch hochziehen. Dies ist der Moment, wo ich am Morgen aufstehe und es weder Gel noch Dusche gelingt, mein konzeptloses Puff auf dem Kopf wieder zurecht zu rücken. Es war an der Zeit für den Meister der Schere.
Meiner einer hat gezügelt und befindet sich in dem sehr anschaulichen Soho im Quartier Sanlitun. Vier weiss, grau geschwungene Türme, die wie horizontale Meerwellen da stehen, umringen einen einsam stehenden, kleineren roten Kegel. Ein Architekt wurde die Ehre zu Teil seine Kindheitsträume im angesagtesten Quartier Pekings auszuleben. Es ist gelungen. Das Gebilde ein Schmaus fürs Auge. Aber auch gerade nur fürs Auge.

Beim betreten der Mall überkommt mich ein kalter Schauer. Stinkige Luft, wie jene von einer Baustelle, weht mir ins Gesicht, dass ich husten muss. Meine Füsse hallen von den Wänden her zurück zu mir und sind nebst einem Hammer aus der Ferne, das einzige Geräusch weit und breit.
Ich verlasse die Mall wieder schnurstracks, um mich bei der Informationstafel draussen zu vergewissern, ob mein Coiffure auch wirklich hier hin gezügelt ist. Ja, da steht es schwarz auf weiss.
Ich nehme meinen Mut zusammen und wage mich zurück in die Mall. Die meisten der Räumlichkeiten stehen leer. Hinter den verschmierten Glasscheiben befindet sich Geröll und Kübel voller eingetrockneter Farbe. An den Türen hangen zerrissene Zettel mit einer Telefonnummer drauf.
Erst als ich mich ihr nähere, erwacht die unbenutzte Rolltreppe zum Leben und führt mich ins Untergeschoss. Hier hat es ein paar wenige beleuchtete Geschäfte. Eines davon, mein Haarschneider.
Ich betrete das Geschäft als einziger Kunde. Das Sofa, wo sonst die Kundschaft auf einen Haarschnitt wartet, ist besetzt von unbeschäftigtem Personal. Alle drücken sie was auf ihren Mobiltelefonen rum. Erst als die Frau an der Kasse nach einem “Styler” ausruft, werde ich bemerkt. Einer nimmt sich mir widerwillig an.

Auf dem Stuhl wird mir eine Zeitschrift in die Hand gedrückt. Irgendein Herren Magazin. Auf der Titelseite Johnny Depp. Ich blättere und Suche das Inhaltsverzeichnis. Erste Seite: Armani. Zweite Seite: Rolex. Dritte Seite: Chanel. Ich blättere und blättere. Blättere wieder zurück, weil ich vermute die Übersicht zum Heft verpasst zu haben, nein doch nicht, blättere weiter. Etwa bei Seite 20 erscheint erster Inhalt vom eigentlichen Magazin. Der Haarschnitt ist vollbracht, bevor ich das Interview von Depp zwischen all der Werbung gefunden habe.
Der Stilist geht zurück aufs Sofa und fängt wieder an auf seinem Mobiltelefon herum zu drücken.

Ungläubig über die Einöde der Umgebung, getraue ich mich etwas weiter in die Einkaufshalle hinein. Nicht sehr weit, denn plötzlich ist die Sache auch einfach gar nicht mehr beleuchtet.
Es hat was gespenstisches, ja gar trauriges. Und ist bei weitem kein Einzelfall. Wenn etwas gebaut wird, so scheint es, dann eine neuen Super Mall. Lukrativ für den Bauherr, der die Mieten einkassiert und sich von dannen macht. Dann ist die architektonische Augenweide nur noch ein Dorn im Auge.

Bleibt zu hoffen, dass sich solche Beispiele nicht auch noch in Bern wiederholen werden. Wieviele Stimmen braucht es nochmals für eine Initiative?
Meine habt ihr!

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